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Rewe will nach Ruppen verlagern


Autor: Marco Meißner

Kronach, Montag, 20. Juli 2015

Das Kronacher Ratsgremium sprach sich grundsätzlich dafür aus, die ersten Schritte für eine Verlagerung des Rewe-Lebensmittelmarktes von der Industriestraße an die Grenze der Kernstadt einzuleiten. Es gab aber acht Gegenstimmen.
Steht hier in Zukunft ein Rewe-Markt? Im Stadtrat wurde über die Fläche zwischen Ruppenweg und Ruppenwirtshaus diskutiert. Foto: Marco Meißner


Die Rewe-Gruppe würde ihren Kronacher Markt gerne von der Industriestraße nach Ruppen an die Bundesstraße 173 verlagern. Der Stadtrat stimmte dem ersten Planungsschritt gestern mehrheitlich zu. Dass das Gremium jedoch ein gespaltenes Verhältnis zu dem Projekt hat, wurde nach den Ausführungen des Rewe-Vertreters Josef Hassler (Bereich Expansion Vollsortiment Süd) schnell deutlich. Am Ende stimmten acht Ratsmitglieder gegen das Einleiten eines Bauleitplanverfahrens.

Hassler betonte, dass weder das jetzige Gebäude noch das Gelände, auf dem es steht, Entwicklungspotenzial habe. Das Grundstück umfasse 5000 Quadratmeter. Um den heutigen Ansprüchen der Kunden gerecht zu werden, benötige der Rewe-Markt allerdings 7000 bis 7500 Quadratmeter. "Und das Gebäude zu modernisieren, hieße, es abzureißen", unterstrich Hassler.


Stadtentwicklung oder Flächenversiegelung?

Die benötigte Fläche hat Rewe an der Grenze der Kernstadt zwischen Ruppenweg und Ruppenwirtshaus gefunden. Stadtplaner Daniel Gerber nannte als positive Aspekte, dass der vorgesehene Standort von der Landesplanung noch als städtebaulich integrierte Ortsrandlage gesehen wird, man eine Abwanderung von Rewe verhindern könnte und der Markt gut fußläufig zu erreichen wäre. Allerdings kritisierte er, dass das Vorhaben die Zäsur zwischen Kronach und Ruppen beseitigen würde, man wieder auf die "grüne Wiese" ausweichen würde und die Verkaufsfläche von 1000 auf 1650 Quadratmeter erweitert würde. Das sei sowohl vom Sortiment des Marktes her als auch angesichts des "überproportionalen Angebots an Lebensmittelmärkten" in Kronach nicht gewünscht.

Jonas Geissler (CSU) stellte fest, dass man im Vorfeld der Sitzung sogar fraktionsintern "sehr ambivalent" diskutiert habe. Diese Haltung zog sich auch durch die folgende Diskussion und durch die verschiedenen Fraktionen. Geissler selbst möchte Rewe in Kronach halten und Kaufkraft binden. Ralf Völkl (SPD) sah im Neubau ebenfalls einen positiven Beitrag zur Stadtentwicklung. Er ist sich auch sicher, dass für das alte Gebäude in der Industriestraße eine Nachnutzung gefunden werden könnte.


Wichtige Steuergelder oder Kampf um Marktanteile?

Seine Fraktionskollegin Marina Schmitt warnte hingegen davor, sich im Kampf um Marktanteile vor den Karren spannen zu lassen. Winfried Lebok (CSU) hatte städtebauliche Zweifel, und Peter Witton (Grüne) ärgerte die erneute Versiegelung von Flächen. Karin Bülling (CSU) sah in dem Vorhaben hingegen keinen Neubau auf der "grünen Wiese", "sondern einen Lückenschluss an der B 173".

Tino Vetter (FW) erinnerte daran, dass man diesmal nur über einen ersten Planungsschritt abstimme. Dabei werde er nach reiflicher Überlegung für das Vorhaben votieren. "Den Ausschlag hat für mich gegeben, dass die Steuerkraft in Kronach bleibt", begründete er seinen Entschluss. Diesem folgte die Mehrheit des Gremiums.