Wenn es ein Gemüse gibt, das ein ganzes Land vereint, dann ist es die Rote Bete. Besonders beliebt ist das Gemüse in Russland und anderen osteuropäischen Ländern. Der Eintopf Borschtsch ist dort ein Traditionsgericht. Auf dieses möchte Olga Engelmann auch in Kronach nicht verzichten.

Engelmann kommt aus Kasachstan und lebt mittlerweile schon 18 Jahre in Kronach. "Borschtsch könnte ich jeden Tag essen", sagt sie und lacht. Ganz so oft kommt die Suppe dann zwar nicht auf den Tisch, mindestens zwei Mal im Monat aber auf jeden Fall.

Dafür kocht Engelmann Fleisch (meist zwei verschiedene Sorten, darunter Rindfleisch), Karotten, Kartoffeln und rote Bohnen in einem großen Topf ab, dazu wird Brühe gegossen. Dann werden Zwiebeln und Rote Bete gedampft und in den Topf gegeben. Am Ende kommt noch ein Schuss Schmand auf den Teller, erklärt Engelmann. Für den Eintopf verwendet sie immer frische Rote Bete, niemals die bereits abgekochte.

Neben Borschtsch verwendet Engelmann Rote Bete noch für das Gericht "Hering unter dem Pelzmantel". Was sich abenteuerlich anhört, ist nichts anderes als ein russisches Kaltgericht, ähnlich zu einem Schichtsalat. Das Gericht sei ein "Festsalat", besonders zum Jahreswechsel esse man den "Hering unter dem Pelzmantel" gerne, erzählt Engelmann.

Warum die Rote Bete sich zu einem festen Bestandteil der osteuropäischen Küche gemausert hat, kann sich Engelmann nur so erklären: In den Gärten in Russland habe es schon immer viel Rote Bete gegeben, die Grundlage für Borschtsch war also schon einmal vorhanden. "Außerdem hält sich Rote Bete gut im Keller", weiß Engelmann. Ein weiterer Pluspunkt der Knolle: "Rote Bete ist sehr gesund für Magen und Darm", sagt Engelmann.

Nicht nur in Russland, auch im Frankenwald wird die Rote Bete gerne angepflanzt. Bei Kreisbäuerin Rosa Zehnter wächst das Gemüse ebenfalls im Garten. "Ich verwende die Rote Bete als gekochten Salat, kleingeraspelt oder geschnitten", sagt Zehnter.

Pflanze braucht viel Platz

Einen besonderen Boden brauche es für den Anbau der Roten Bete nicht. Das Gemüse kann in den Böden im Kreis Kronach also problemlos wachsen. Wie viele andere Gemüsesorten hat die Rote Bete während des heißen Sommers 2018 besonders viel Wasser gebraucht: "Ich musste die Rote Bete oft gießen, sonst wäre überhaupt nichts gewachsen", sagt Zehnter. Sonst sei die Rübe aber pflegeleicht.

Im Frühjahr werden die Samen der Rote Bete ausgesät. Sobald sich aus der Saat zarte Pflänzchen entwickelt haben, werden diese umgesetzt, um genügend Platz zwischen den Rüben zu schaffen. 15 bis 20 Zentimeter sollen es auf jeden Fall sein, erklärt Zehnter. So bleibt die Rote Beete dann bis in den Herbst im Gemüsebeet stehen. Ende September oder Anfang Oktober erntet Zehnter die Rote Bete. Vor Frost sollte die Pflanze geschützt werden. "Sonst sterben die Blätter vielleicht ab", meint Zehnter.

Nach der Ernte muss sie aber nicht sofort verbraucht werden. "Die Rote Bete hält den Winter über im Gemüsekeller", weiß Zehnter. Ob das Gemüse frisch ist, verrät der Drucktest. Weich oder runzelig darf die Rote Bete nicht sein. "Die Knolle sollte knackig sein", betont die Kreisbäuerin.

Dieses Gemüse bringt auch Anfängern schnelle Erfolge

Pflanze Die Rote Bete ist eine Kulturform der Rübe und gehört zur Familie der Fuchsschwanzgewächse. Sie ist mit der Zuckerrübe und dem Mangold verwandt.

Herkunft Die Kulturpflanze kam mit den Römern nach Mitteleuropa. Ihren Ursprung hat sie im Mittelmeerraum, wahrscheinlich in Nordafrika. Sie stammt ab von der wilden Rübe oder der Wildbete. Die gleichmäßige rote Farbe der Rübe ist ein Resultat der Weiterveredelung im 19. und 20. Jahrhundert.

Inhaltsstoffe Die auffällige rote Farbe beruht hauptsächlich auf der hohen Konzentration des Glykosids Betanin. In der Vergangenheit wurde die Rote Bete auch als Färberpflanze eingesetzt. Betanin verwendet man als Naturfarbstoff für Lebensmittel (E162), es ist allerdings nicht sehr hitzebeständig.

Aufgrund ihres hohen Vitamin-B-, Kalium-, Eisen- und Folsäuregehalts ist die Rote Bete ein wirklich gesundes Gemüse, das gegart als nahrhafte Beilage gereicht oder roh für verschiedene Salate verwendet wird.

Anbau im Garten Für die Rote Bete, auch Rote Rübe genannt, liegt der Aussaattermin Anfang Mai bis Ende Juni. Es wird immer eine Direktsaat im Beet durchgeführt. Die frühen Aussaaten sind für den Frischverzehr im August gedacht und die späteren etwa Mitte Juni für die Einlagerung im Oktober. Für die sogenannten "Baby Beets" verwendet man die gleichen Sorten, lässt man die Rüben nur drei bis fünf Zentimeter im Durchmesser groß werden. Die Kulturdauer beträgt hier nur etwa zwei Monate.

Sortenwahl Bei den Sorten ist zu beachten, ob sie rund oder walzenförmig sind. Bei Letzteren können bei schweren Böden eher Missbildungen auftreten. Sehr gute runde Sorten sind "Libero" und "Moulin Rouge", so wie die altbewährte "Rote Kugel". Bei den walzenförmigen sind es "Forono", "Loma" und "Halanga". Jupp Schröder