Mitwitz: So verändert Corona den Alltag im Supermarkt
Autor: Cindy Dötschel
Kronach, Mittwoch, 01. April 2020
Noch bevor der Supermarkt öffnet, sind die Regale vollständig eingeräumt. Und das ist nicht die einzige Maßnahme, mit der die Ansteckungsgefahr in der Mitwitzer Edeka-Filiale minimiert wird.
Ein Mund- und Nasenschutz ist bei einem Supermarktbesuch in Österreich seit wenigen Tagen Pflicht. So soll die Gefahr, sich beim Einkaufen mit dem Corona-Virus anzustecken, verringert werden. In Deutschland gibt es bislang noch keine vergleichbare Maßnahme - doch auch ohne setzt das Team der Edeka-Filiale Ottinger in Mitwitz alles daran, die Infektionsgefahr einzudämmen. Der Kundenkontakt wird auf ein absolutes Minimum reduziert.
Um 9 Uhr arbeitet Ute Engel bereits seit drei Stunden. "Wir kommen momentan eher, um die Regale einzuräumen. Wenn die Kunden dann kommen, sind wir fertig", berichtet die Verkäuferin. Falls die Lieferung verspätet ankommt, wird versucht, sich bestmöglich aus dem Weg zu gehen. "Kundenkontakt versuchen wir weitestgehend zu vermeiden." Wenn die Kunden gegen 10 Uhr kommen, soll sich möglichst nur noch eine Kassiererin im Verkaufsraum befinden, der Rest des Teams hat momentan verkürzte Arbeitszeiten.
Generell würden Eltern ihre Kinder mittlerweile kaum noch mit zum Einkaufen nehmen. Dafür würden noch immer zahlreiche Senioren in den Supermarkt kommen, was Engel in Anbetracht der momentanen Situation wundert. Auch Kassiererin Laura Schneider ist besorgt darüber, dass noch immer viele Senioren ihre Einkäufe selbst erledigen. "Ich finde das beunruhigend, weil sie zur Risikogruppe gehören." Generell könne sie an der Kasse beobachten, dass sich der Großteil der Kunden an den empfohlenen Abstand hält.
Ihr Platz ist derzeit durch eine Art Zelt von den Kunden abgeschirmt. "Das Wechselgeld wird in eine Schale in der Öffnung gelegt, um eine mögliche Berührung beim Herausgeben zu vermeiden", beschreibt sie die Schutzmaßnahme.
Neue Wege in der Krise
Marktleiter Jan Ottinger ist derzeit mit seiner Lebensgefährtin Daniela Wagner den ganzen Tag im Einsatz. "Wir gehen gemeinsam an die Front, dass die Mitarbeiter nach Hause können - wir wollen so alles am Laufen halten", sagt Wagner. Gerade in der Krise mache es sich bemerkbar, wie gut alle zusammenhalten. "Alle Mitarbeiter sind sehr flexibel, wenn wir anrufen, sind sie da - egal zu welcher Uhrzeit." Trotz des Zusammenhalts im Team hat Wagner manchmal ein mulmiges Gefühl: "Wenn wir Mitarbeiter oder die Kunden Masken und Handschuhe tragen, wird mir der Ernst der Situation bewusst."
Jan Ottinger hat in den letzten Tagen alles daran gesetzt, Teile des Supermarkts mit Folien abzuhängen. So sind unter anderem die Kasse und die Fleischtheke - abgesehen von einem kleinen Bereich, der zum Durchreichen der Ware oder des Geldes ausgespart wurde - vollständig abgedeckt. Außerdem werden die Einkaufswägen und die Kasse regelmäßig desinfiziert. "Masken sind momentan schwer zu kriegen, aber eine nette Bekannte hat welche für unsere Mitarbeiter genäht", sagt der Marktleiter erfreut.
Generell würden auch immer mehr Kunden mit Handschuhen und Masken bekleidet in seinen Supermarkt kommen. "Das Kaufverhalten der Leute hat sich verändert - jetzt wird gleich für mehrere Tage eingekauft, vor der Krise waren viele Kunden täglich bei uns."