Mit Karte: Die Route und Haltestellen der selbst fahrenden Kronacher Shuttlebusse
Autor: Sandra Hackenberg
Kronach, Freitag, 16. Oktober 2020
Endlich rollen die autonom fahrenden Busse durch Kronach. Wir stellen die Route vor und erklären, warum man ihnen nicht allzu nahe kommen sollte.
Wenn sich ein Raumschiff in eine Knutschkugel verliebt - ihr Nachwuchs würde wohl genau so aussehen wie das Gefährt, das in diesen Tagen durch Kronachs Straßen rollt und die Blicke der Passanten auf sich zieht. Nachdem Corona auch dieses Projekt in den vergangenen Monaten verzögert hat, sind nun die autonom fahrenden Shuttlebusse auf ihrer vorgesehen Route (siehe Grafik) in der Innenstadt unterwegs.
Mitfahren können die Kronacher derzeit jedoch noch nicht. "Die Shuttles sind derzeit zur Inbetriebnahme auf der Strecke", erklärt der Projektmanager für autonomes Fahren im Rahmen der Shuttle-Modellregion Oberfranken, Selcuk Bulut. "Nachdem wir die Route vermessen haben, fahren sie die Busse nun ab, um zu überprüfen, ob alles passt." Immer wieder bleibt das Shuttle stehen, der Mitarbeiter überprüft akribisch die Daten über einen Monitor im Innenraum und gibt Änderungen ein. Denn nur mit diesem "Feintuning" können sie die Fahrgäste bald vollkommen selbstständig und sicher durch Kronachs viele Kurven transportieren.
Nicht nur die 3,2 Kilometer lange Strecke musste dazu genau vermessen werden, auch die drei Ampeln, die das Shuttle dabei passiert, haben ein Upgrade bekommen: "Die Busse können nicht erkennen, ob die Ampel Grün oder Rot zeigt." Darum müssen Shuttles und Ampeln anderweitig kommunizieren, mit einer Art verschlüsselter W-Lan-Verbindung. Noch bis zum 28. Oktober werden sich die futuristischen Knutschkugeln voraussichtlich ihren gemächlichen Weg durch die Straßen bahnen - schneller als 18 Kilometer pro Stunde fahren sie nicht. "Wir bitten daher für Verständnis, wenn es im Verkehr an der einen oder anderen Ecke etwas länger dauert", appelliert der Projektleiter an die Autofahrer.
Bislang wecken die Shuttles jedoch eher Interesse anstatt Ärger. Leute machen Fotos und manche klopfen auch mal an die Scheibe, um zu fragen, ob sie einsteigen können. Doch bis die elektrisch betriebenen Busse tatsächlich Fahrgäste befördern, wird es noch etwas dauern. "Aufgrund der Corona-Pandemie wollen wir vorerst noch keine Passagiere in die kleinen Busse setzen", erklärt Selcuk Bulut.
Und auch, wenn das Interesse groß ist: Allzu nahe sollte man den Shuttles nicht kommen. Darauf weist auch die Front-Aufschrift "Mindestens einen Meter Abstand" hin. "Die Busse scannen die ganze Zeit ihre unmittelbare Umgebung und bremsen sofort sehr schnell und hart ab, sobald ein Hindernis auftaucht." Darum sollten andere Verkehrsteilnehmer möglichst nicht zu dicht an den Shuttles vorbeifahren.
So eine Vollbremsung ist für den Stuart und die künftigen Fahrgäste zwar wenig angenehm, erhöht aber die Sicherheit im Vergleich zu Fahrzeugen, die von Menschen gelenkt werden. "Wir haben die doppelte Sicherheit: Sowohl der Stuart als auch das Shuttle schauen auf die Straße", betont Selcuk Bulut. Auch später im öffentlichen Betrieb fährt immer ein Stuart mit, der im Notfall bremsen könnte.
Wenn die Shuttles dann auch ganz offiziell ihre Runden durch die Innenstadt drehen, können die Passagiere über sieben Haltestellen einsteigen. Was erst einmal kurios klingt: Feste Zeiten, wann das Shuttle welche Haltestelle passiert, wird es nicht geben. "An jeder Haltestelle gibt es ein solarbetriebenes Display, auf dem die Fahrgäste genau sehen, wo sich das Shuttle gerade befindet und wie lange es noch dauert, bis es wieder an der jeweiligen Haltestelle ist."
Zu welchen Zeiten die Shuttles fahren sollen, wurde final noch nicht entschieden. "Wir werden aber versuchen, im Sommer sieben Tage in der Woche zu fahren", kündigt der Projektmanager an. Werktags zwischen 12 und 14 Uhr, wenn besonders viel in der Stadt los ist, sollen sie wahrscheinlich eine Pause einlegen, um den Verkehr nicht zusätzlich zu belasten. Denn wie wir nun wissen, geht das Space-Shuttle-Baby lieber auf Abstand.
Das Projekt
Der öffentliche Personennahverkehr deckt oft die sogenannte letzte Meile nicht ab. Der Einsatz von großen Linienbussen ist gerade im ländlichen Raum oft nicht rentabel. Hier könnten selbst fahrende Busse Abhilfe schaffen.
Die von der französischen Firma Navya produzierten Shuttles werden von Valeo in Zusammenarbeit mit dem Hersteller umgerüstet und für die jeweiligen Streckenabschnitte vorbereitet. Nun werden die Shuttles auf öffentlichen Straßen in Konach, Hof und Rehau getestet.
Neben den Landkreisen Kronach, Hof und der Stadt Rehau sind Valeo, die RBO Regionalbus Ostbayern GmbH sowie verschiedene Hochschulen und Universitäten an dem Projekt beteiligt.
Das 15 Millionen Euro teure Projekt, das mit zwölf Millionen Euro vom Bundesministerium gefördert wird, soll Ende 2021 abgeschlossen sein.