Die Arnikastadt Teuschnitz beteiligt sich erstmals in diesem Jahr an dem Kunstevent. Die Wurzbacher Künstlerin Judith Franke arbeitet schon.
Filigran und elfenhaft schön schmiegt sich ein schlankes, weibliches Wesen mit langem Wallehaar an eine überlebensgroße Blume. Es ist eine Arnika und ihre Blütenblätter sind leicht vom Wind zerzaust. Die schöne Frau könnte ein liebenswürdiger Naturgeist sein - oder eine Metapher, Sinnbild für das Wesen der Arnika: schön, wild, sensibel, unzähmbar. Das Bild entstammt einer Skizze, die die Wurzbacher Künstlerin Judith Franke für die Arnikastadt
Teuschnitz entworfen hat. Der Titel der Arbeit lautet: "Eine Liebeserklärung an die Arnika". Teuschnitz beteiligt sich in diesem Jahr erstmals am Kunstevent "HolzART". Judith Franke wird vom 28. Juni bis 5. Juli in der Arnikastadt zu Gast sein und im Schloßgarten an ihren Skulpturen arbeiten.
"Unsere Idee ist, mit dem Kunstevent einen weiteren Anziehungspunkt in unserem Schlossgarten zu schaffen.
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Unsere Teuschnitzer Bürger und unsere Gäste sind herzlich eingeladen, der Künstlerin bei ihrer Arbeit zuzusehen", freut sich Bürgermeisterin Gabriele Weber. "Wir hoffen natürlich, dass die Kunstwerke im Anschluss in Teuschnitz verbleiben und nicht nur den Stadtkern, sondern auch den neu entstandenen Kräuterlehr- und Schaugarten an der Arnikaakademie bereichern werden."
Spannende Effekte
Für Teuschnitz hat Judith Franke bereits zwei Entwürfe entwickelt: Neben der "Liebeserklärung" hat sie sich noch "Arnika symbolisch" ausgedacht. Dabei sollen mehrere, verschieden hohe Stelen aus Eichenholz mit geflochtenen "Blütenblättern" aus Peddigband versehen werden. Nicht nur die seltene Kombination von Holz und Geflecht macht die Kunst von Judith Franke außergewöhnlich.
Ihre Skulpturen bewegen sich zwischen Naturalismus und Abstraktion, zwischen Tradition und individueller Gestaltfindung. Die sanften Farben von Holz und Weide fügen sich harmonisch in die jeweilige Umgebung ein. Durch das Zusammenspiel von geschnitzten Strukturen und durchlässigem Geflecht ergeben sich bei Judith Frankes Skulpturen spannende Licht- und Schatten-Effekte, die dem Ganzen eine neue Dimension hinzufügen.
In Kronach ist Judith Franke keine Unbekannte. Die junge Frau war schon zweimal bei "Kronach leuchtet" dabei; bei der Kronacher "HolzArt" gehört sie zur festen "Szene". Den Kronacher Künstler Ingo Cesaro nennt sie ihren "Förderer". Der ist überzeugt: "Judith Franke beherrscht ihr Handwerk grundlegend. Darüber hinaus ist die Kombination von Holz und Flechtwerk einmalig und mittlerweile ihr Markenzeichen."
Die Wurzbacherin hat einen Gesellenbrief als Korbmacherin.
Bei einer Studienreise in den USA erlernte sie weitere Flechttechniken. In der Schweiz verfeinerte sie ihre Fertigkeiten, auch in der Restaurierung beflochtener Möbel. In Oberammergau erlernte sie die Holzbildhauerkunst.
Oft sind ihre Skulpturen aus Eiche bzw. Erle geschnitzt und mit Details aus Weidengeflecht ergänzt. Die Gesichter ihrer Figuren sind naturalistisch, meist nur durch einen sehr hellen Anstrich verfremdet. Die filigranen, sehr aufrechten Körper verlieren sich irgendwann im Abstrakten. Die teilweise idealisierten Gestalten erinnern in ihrer Ebenmässigkeit an die Darstellungen der italienischen Renaissance - wenn da nicht immer wieder Brüche wären.
Die Arbeiten von Judith Franke sind Seelenbilder. In Holz gehauene und komplex verflochtene Gefühlszustände, wie sie jeder Mensch, vor allem ein Feinfühliger, kennt.
Wie im Teuschnitzer Entwurf "Liebeserklärung an die Arnika" bevorzugt Franke die Darstellung weiblicher Körper. Warum? "Vielleicht, weil so viel von mir selbst in diesen Figuren steckt", sagt sie. Es sind ihre eigenen Höhen und Tiefen, Trauer und Lebenslust, tiefe Verletzlichkeit aber auch die unfassbaren Glücksmomente, die sie aus dem Holz schält.