Kronach: Noch mehr Artikel als im letzten Jahr
Autor: Maria Löffler
Kronach, Sonntag, 17. November 2019
Über 1000 Weihnachtsartikel wurden im Haus Fischbachtal zum Verkauf angeboten. Die Artikel wurden ausschließlich von Bewohnern der Einrichtung für Suchthilfe gefertigt.
Die Schreinerei des Hauses Fischbachtal, das Arbeitstherapien für Suchtkranke anbietet, hat sich in einen Weihnachtsmarkt verwandelt: Über 1000 Bäume, Elche, Sterne, und Schneeflocken aus Holz werden zum Verkauf angeboten.
Auch in diesem Jahr drängte die Masse gleich am Anfang in die Halle, wo sich die beiden Gänge in Einbahnstraßen verwandelt hatten. Es war fast nicht möglich, stehen zu bleiben oder in Ruhe zu schauen. "Das kommt erst etwa eine Stunde später, wenn sich alles etwas entzerrt hat," meint Organisatorin Rudy Burger und lächelt. Sie kennt dieses Gedränge schon seit ein paar Jahren und nimmt es locker: "Wir sind ja froh, dass so viele Leute zu uns kommen. Das macht uns alle stolz."
Artikel von Bewohnern hergestellt
Was macht man aber mit so vielen Weihnachtsartikeln, wenn man jedes Jahr etwas kauft? "Viele ergänzen bestimmte Sachen, weil wir manchmal regelrechte Ensembles kreieren, manche orientieren sich weihnachtlich komplett neu, aber es gibt auch immer mehr Besucher, die sich hier bei uns mit Geschenken eindecken." Rudy Burger zieht als Leiterin der Kreativabteilung Bilanz und schaut dabei auf ein verschwindend kleines Häufchen an Artikeln, die aus dem Verkauf übrig geblieben sind. "Ich glaube fast, wir haben nochmal mehr verkauft als im letzten Jahr. Ich hätte nie gedacht, dass das möglich ist." Und lachend ergänzt sie noch: "Da hat mich doch tatsächlich auch jemand nach einem Katalog gefragt."
Die neuen Smileys sind am Basar ebenfalls zum Einsatz gekommen, die das Qualität-Preis-Leistungsverhältnis, die fachliche Beratung und die Weiterempfehlung symbolisieren sollten. Dabei standen drei farbige Smileys zur Auswahl: Grün für gut, gelb für neutral und rot für nicht gut. Das Fazit von Rudy Burger ist überwältigend, aber bescheiden meint sie: "Wir sind sehr grün."
Doch so groß die Freude über den gelungenen Basar, die verkauften Artikel und der großen Nachfrage auch ist, für sie bleibt ein Wermutstropfen: "Ich glaube nicht, dass wir uns bei der Anzahl der Artikel noch steigern können. Es werden wohl eher weniger werden."
Und sie erklärt auch den Hintergrund, der vielen Besuchern so erstmal nicht ins Auge sticht. "Alles, was man sieht, wird von den Bewohnern hergestellt. Aber genau die kämpfen jeden Tag, jede Stunde und jede Minute gegen ihre Sucht und ihre Ängste. Wir können diese Menschen nicht noch mehr belasten", berichtet Burger.
Vorbereitung auf das neue Leben
Die Arbeit solle den Bewohnern Spaß machen und diese nicht zusätzlich stressen. Derzeit seien unter den Bewohnern einige Künstler und viele Engagierte, die hinter der Sache stehen. Das sei allerdings nicht immer so. "Alle Artikel, die erschaffen wurden, sind nicht nur aus den Materialien selbst entstanden, sondern vor allem auch aus ganz viel Herzblut, Liebe und Kreativität", weiß Burger.