Sechs Stunden zermarterten sie sich am Montag den Kopf. Die Kreistagsmitglieder kamen zu ihrer jährlichen Klausurtagung im Mitwitzer Wasserschloss zusammen. Und hinterher sagten der Landrat und die Fraktionsvertreter, dass es vor allem eines war: konstruktiv.

Da ging es um das Innovationszentrum, um den Ausbau des Breitbandnetzes, den möglichen Beitritt zum "Verkehrsverbund Großraum Nürnberg" (VGN) und um Investitionen in verschiedene Bauprojekte.

Auf der Prioritätenliste stehen da etwa verschiedene Straßenbaumaßnahmen. Mit der Kreisstraße 18 von der Bundesstraße 85 Richtung Hirschfeld wird im April begonnen. Auch die Ortsdurchfahrt von Steinberg ist in die Planung aufgenommen, ebenso wie die KC 3 von Steinberg Richtung Gifting oder die KC 16 in Nurn und die KC 18 von Hirschfeld nach Windheim.


Auf der Prioritätenliste

Ebenfalls auf der Prioritätenliste stehen die Sanierung des Kreiskulturraums und der Bau der Atemschutzübungsanlage. Bei Letzterer geht Landrat Oswald Marr (SPD) davon aus, dass die Konzeptstudie in der ersten Jahreshälfte abgeschlossen ist. Stefan Wicklein (Freie Wähler) erklärte, dass hier Gründlichkeit vor Schnelligkeit angesagt sei, während Richard Rauh (SPD-Fraktionsvorsitzender) davon sprach, dass - "wenn alles gut läuft" - noch heuer Spatenstich sein könnte. Oswald Marr sieht derweil keinen Notstand in Sachen Atemschutzübungsanlage, allerdings will er die neue noch in seiner Amtszeit, also bis 2016, einweihen.

In Sachen Kreiskulturraum stehe nun fest, dass dieser über den Kulturfonds gefördert werden könne. Ein entsprechender Antrag soll bis Oktober diesen Jahres eingereicht werden, dann könne man 2014 schon mit dem Bau beginnen, hofft der Landrat. Die Höhe der Förderung ist allerdings noch nicht klar, 7,7 Millionen umfasse der Fonds, 20 Prozent stünden für Anträge wie dem des Kronacher Kreiskulturraums zur Verfügung. Der Vorteil der Kronacher sei, dass man bereits das Konzept verhandle.

Weiter investiert werden soll auch in die Schulen. So steht mit circa zehn Millionen der Hauptbau der Berufsschule auf der Prioritätenliste, schließlich geht es hier auch darum, den Schulstandort zu erhalten, und immerhin sei das auch die Schule mit den meisten Schülern.

Weiter gilt es, die Sportstätten der Realschule I und die des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums mit jeweils 3,5 Millionen zu sanieren. Insgesamt beträgt das Investitionsvolumen für die Schulmaßnahmen 17,4 Millionen Euro. Noch 2013 soll mit den Planungen begonnen werden.

Beitritt zum VGN - ja oder nein?

Beschäftigt haben sich die Kreisräte in ihrer Klausurtagung auch mit einem möglichen Beitritt zum VGN. Die Tendenz dorthin sei zwar positiv, wie der Landrat im Pressegespräch zusammenfasste, allerdings wollen sich die einzelnen Fraktionen noch Gedanken machen und manch offene Frage noch beantwortet haben.

Zum Beispiel gehe es um den Sonderverkehr - wie Discobus, Frankenwaldmobil oder Freischießen-Express. "Da muss man noch schauen, wie man das unter ein Dach bringt", so Landrat Oswald Marr.

Vorteile seien derweil, dass man im ganzen VGN-Bund nur noch einen Fahrschein brauche, also mit einem Ticket bis nach Nürnberg fahren könne. "Wir haben dann die Chance, den Nürnberger Zoo zum gleichen Preis zu besuchen wie die Großstädter", sagte stellvertretender Landrat Gerhard Wunder (CSU).

Zudem seien die meisten Fahrten billiger, wie Marr erklärte. "Und wir erwarten uns auch, dass dadurch Leute aus dem Großraum Nürnberg zu uns kommen." In der Kreistagssitzung am 22. April soll darüber entschieden werden.

"Es handelt sich jedes Jahr um eine sechsstellige Summe", gab Richard Rauh zu bedenken. Selbst, wenn er prinzipiell auch dazu tendiere, ab 1. Januar 2014 beizutreten, dürfe man die Kosten nicht aus den Augen verlieren. "Dazu kommt ja auch noch die Anschubfinanzierung für Automaten und so weiter. Wir sprechen da jährlich von 120.000 Euro."

Kein einfacher Schritt

Letztlich sei die Entscheidung kein einfacher Schritt, denn die Verkehrsanbindung werde dadurch nicht automatisch besser. Auf die Fahrpläne habe das keinen Einfluss, man gewinne keine zusätzliche Verbindung.

"Die Freien Wähler sind noch nicht mehrheitlich dafür. Wir sehen die Vorteile, aber es sind eben auch noch Fragen im finanziellen Bereich sowie organisatorische offen", erklärte Stefan Wicklein. Und Albert Rubel von der CSU-Fraktion sagte, dass diese zwar mehrheitlich dafür sei, man aber auch die Kosten sehen müsse. Oswald Marr verwies darauf, dass die Beiträge ab 2019 abgeschmolzen würden, die Zahllast weniger werde.

Was die Verbindungen betrifft, wolle man jemanden beschäftigen, der eine Bestandserfassung mache und den Bedarf feststelle. Dann gelte es, dies mit dem ÖPNV zu überarbeiten. So sei der Discobus nicht mehr zeitgemäß, schließlich habe sich das Ausgeh-Verhalten der jungen Leute geändert, nannte Landrat Oswald Marr ein Beispiel.