"Wenn wir erklimmen ...Seil liegt besser am Boden - ist mir sicherer." Gekonnt balanciert das gelbe Männchen auf einem Seil, das "sicherheitshalber" nicht in schwindelerregender Höhe gespannt wurde, sondern auf festem Grund und Boden liegt. Die humorvoll-tiefsinnige Szenerie zum Schmunzeln, aber auch Nachdenken ziert das Titelmotiv des Kunst-Kalenders "Wenn wir erklimmen" mit Zeichnungen von Georg Baier und zu einer Gesamteinheit verschmelzenden Kurzgedichten von Ingo Cesaro.

Skurril und liebenswürdig

"Manche Leute sagen, dass die Bilder von Georg Baier bösartig sind. Ich empfinde das nicht so. Für mich sind seine Zeichnungen hintergründig-skurril und seine Figuren geradezu liebenswürdig", schmunzelt der Schriftsteller Ingo Cesaro. Trotz der Erschwernisse der Corona-Pandemie hatten sich die beiden freischaffenden Künstler bereits zum dritten Mal für die gemeinsame Gestaltung des Kalenders zusammengefunden, der bereits in den Vorjahren auf eine überwältigende Resonanz gestoßen war.

Normalerweise wird der Kunst-Kalender auf großen Buchmessen vorgestellt, was heuer jedoch coronabedingt nicht möglich war. "Das ist natürlich schade. An dem Kalender ist nämlich wirklich niemand vorbeigekommen. Da stand immer eine ganze Ansammlung von Leuten davor und sie haben sich über die Bilder und Texte ausgetauscht - nach dem Motto "Hast Du das schon gesehen?", erinnert sich Cesaro an teilweise recht unterschiedliche Reaktionen.

Die Wirkung des leuchtend bunten Hinguckers beruht zweifellos auf die Symbiose beider Elemente, deren Abstimmung - aufgrund der Corona-Pandemie - heuer auf digitalem Wege erfolgte. Der Zeichner und Grafiker, der dem kunstinteressierten Kronacher Publikum beispielsweise von seiner Beteiligung an der Kunstmesse ARTKronach bekannt ist, hatte Cesaro rund 20 seiner Arbeiten per Internet zukommen lassen. Hieraus wurden schließlich 13 für den Kalender ausgewählt. Zu jeder Zeichnung schrieb der Schriftsteller jeweils fünf bis acht Gedichte in Haiku-Form. Georg Baier wiederum suchte sich aus den Vorschlägen sein jeweiliges Lieblings-Haiku aus.

Seit 1980 bringt Ingo Cesaro Jahr für Jahr ganz unterschiedliche Grafik-Text-Kalender heraus, wobei er lediglich ein Mal vor vier Jahren pausierte. Hierfür pflegt der Schriftsteller, Herausgeber, Galerist und Handpressendrucker, der bislang weit über 300 Einzelveröffentlichungen und über 150 Herausgaben bibliophiler Editionen mit Texten anderer Autoren vorzuweisen hat, eine enge Zusammenarbeit mit Malern und Grafikern. Mit Georg Baier arbeitete er unter anderem auch für die beiden Editionen "Heringsaugen" und "Nur Rückenschwimmen" zusammen - und eben auch für die gemeinsamen Kalender.

Ironisch-freche Arbeiten

Baiers ironisch-freche Arbeiten - Mischtechniken, bei denen Zeichnung, Malerei und Collage jeweils ihren Teil zur Gesamtwirkung beitragen - verfügen zweifellos über eine ganz spezielle Art von Humor. Zwischen lässiger Ironie und Sarkasmus üben seine leicht gruseligen Fratzen, Grotesken und Strichmännchen zugleich auch Kritik an den Unzulänglichkeiten des menschlichen Alltags.

Oftmals braucht der freischaffende Künstler, dessen Werke von den Bayerischen Staatsgemäldesammlungen bereits mehrfach aufgekauft wurden, nur wenige Striche, um besondere Stimmungen oder seelische Gemütszustände auf den Punkt zu bringen - Situationen, in denen sich der Betrachter ein ums andere Mal wiederfindet. So tummeln sich darin jede Menge seltsam liebenswerte Gestalten wie ein innig verliebtes blutrotes Pärchen, das sich über seine Wahl zum "Paar des Jahres" freut, aus dem Gesicht geschnittene Freunde, ein fliegender Engel, der im Himmel keinen Platz mehr findet, als auch ein großer Denker mit Wahnsinnsideen. Im Dezember heißt es schließlich "Eine Zumutung werden sie denken. Trotzdem - das Jahr überlebt".

Erhältlich ist der Kalender in Kronach beim LeseZeichen sowie bei Ingo Cesaro zum Preis von 19 Euro. Weitere Infos finden sich unter www.ingo-cesaro.de.