Im "Nölla" stecken viele Typen
Autor: Corinna Igler
, Samstag, 03. Dezember 2011
Herbert Baumann steht seit 20 Jahren in der Bütt der Kroniche Fousanaocht. Für seinen Auftritt kann man sich schon Karten sichern.
Wolfgang Baumann bezeichnet sich selbst als gesellschaftsunfähig - heute. Denn der 54-Jährige hatte Nachtschicht. "Da bin ich eigentlich immer nicht so ansprechbar", sagte er.
Die meisten Kronacher kennen ihn hingegen ganz anders. Ist er doch der Büttenredner schlechthin der Kroniche Fousanaocht. Das ist sein Ausgleich, sagt Baumann und ergänzt: "Ich hol' mir schon meine schönen Stunden".
Seit 1991 gehört er zu den Büttenrednern der Kroniche Fousanaocht, trotzdem steht er 2012 erst zum 20. Mal in der Bütt. Fiel sein Auftritt doch gleich im ersten Jahr, 1991, wegen des Golfkriegs aus. Aber kein Problem für Baumann - im Gegenteil: "Ich hab' die Rede noch verbessert und sie 1992 gehalten". Um die Einheit ist es damals gegangen.
Begonnen hat seine Karriere aber schon weit vorher. "Mit 13 hab' ich meine erste Büttenrede - in Anführungszeichen - vor Freunden gehalten. Damals haben wir den Mainzer Fasching im Fernsehen geschaut und uns davon anspornen lassen." Noch heute sei das sein Lieblings-Fasching, da dort - anders als in Veitshöchheim - nicht nur Profis auftreten.
In den 80-er Jahren dann begann er seine Karriere bei einem Fasching im Kindergarten Stockheim, wo seine Frau arbeitet. "Ich hatte eine Büttenrede gesehen und gedacht ,Das kann ich auch‘", erinnert er sich. Sein Schwager hat ihn daraufhin gleich einmal für einen Faschingsauftritt beim Sportverein in Knellendorf verpflichtet. "Dort war auch Ursula Rank, die Mitglied bei der Kroniche Fousanaocht und selbst Büttenrednerin ist. Damals gab es wohl gerade etwas einen Mangel an Büttenrednern - und da hat sie mich gefragt, ob ich nicht auch bei der Fousanaocht mitmachen möchte."
Mittlerweile tritt Baumann nicht mehr nur dort, sondern auch außerhalb des Landkreises, nämlich in Mainleus oder Coburg, auf.
In der Faschingshochburg Köln stand er zwar nicht auf der Bühne, hat aber ein Seminar mit dem Titel "Bühnenpräsenz" besucht. "Ich wollte halt mal hineinschnuppern und hab' es auch nicht bereut." Gebracht hat es ihm allerdings wenig, meint er. Schließlich war es ein Seminar für Profis, die bei den großen Karnevalsveranstaltungen - oder öfter - auftreten.
"Der Auftritt ist nicht mein Ding, sondern eher das Schreiben, wenn ich neue Gedankenbahnen im Hirn suche, Bekanntes neu darstelle", sagt Baumann.
Die Politik nimmt er nicht gerne auf die Schippe, vielmehr versucht er bestimmte Typen darzustellen, "die tief in mir schlummern. Denn ein guter Schauspieler bin ich nicht."
Dabei sprudlt es beim Schreiben manchmal nur so aus ihm heraus, ein anderes Mal kommt dafür nichts. "Für meine diesjährige Büttenrede habe ich schon die 14. Fassung. Ich nehme an, dass es bis zu 20 werden. Aber das ist wichtig für den kreativen Prozess - auch wenn die eine oder andere Idee dann im Müll landet", beschreibt er, wie seine Büttenreden zu Stande kommen. Und verrät: "Sogar im Bad hab' ich einen Stift und ein Blöckla - falls mir spontan Ideen kommen." Das ganze Jahr über sammlt er Ideen, sogar für den Fasching 2013 habe er schon welche.
Angst, dass ihm die Ideen ausgehen, habe er also nicht. "Vielmehr, dass sie womöglich einmal nicht mehr so ankommen - beim jüngeren Publikum vielleicht." Deswegen hat er sich auch schon überlegt "es mal ganz anders zu machen" - nämlich in Form von Kurzgeschichten eventuell. Solche finden sich auch schon auf Baumanns zweiter CD.
Seinen Humor hat der Knellendorfer von seinem Vater und seinem Onkel, "die sind so spaßige Typen". Vielleicht kommt er aber auch aus seiner Kindheit, überlegt Baumann: "Bis ich in die Schule gekommen bin, war ich bei meiner Oma in Rothenkirchen. Als ich dann nach Knellendorf kam, hab ich das erste Mal Schwarz-weiß-Filme gesehen - Charly Chaplin und so. Das hat mich irgendwie fasziniert."
Er selbst hat seine Liebe für Büttenreden an seine Söhne aber nicht weitergegeben: "Die sind eher technisch begeistert", sagt er. Auch seine Frau steht nicht mit in der Bütt. "Aber ihr gefällt mein Humor", sagt Baumann. Und dabei bekommt sie seine Büttenreden nicht etwa vorab zu hören, sondern wie alle anderen auch erst beim ersten Büttenabend: "Es ist sinnlos, sie vorher jemandem vorzutragen, denn die Leute im Publikum sind eh ganz unterschiedlich. Wenn mir da vorher jemand sagt, dass sie ihm gefällt, heißt das ja noch nicht, dass sie auch den Leuten im Publikum gefällt."
Was ihm gefällt, weiß er aber ganz genau: Jürgen Dietz, der bei der Mainzer Fastnacht als Bote vom Bundestag auftritt. Und Eichendorffs "Taugenichts". Auch der könnte ein Typ sein, der tief in Baumann schlummert.
Karten Der Vorverkauf für die Büttenabende der Kroniche Fousanaocht hat bereits begonnen. Karten gibt es bei Karin Spindler, AGIP Tankstelle, Neuglosberg, Telefon: 09261/94091 oder bei Optik Stöckert in Kronach, Telefon: 09261/64555. Der Preis pro Karte beträgt 17.50 Euro, für Schüler und Studenten 12.50.
Termine Die Büttenabende finden am Freitag, 3., Samstag, 4., Samstag 11. und Sonntag, 12. Februar, jeweils um 17 Uhr statt.