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Harter Schnitt für Kronachs Hecken


Autor: Nicole Julien-Mann

Kronach, Donnerstag, 01. Februar 2018

Hecken als wichtiger Bestandteil einer Kulturlandschaft müssen gepflegt werden. Ein Förderprogramm motiviert Landwirte zur schonenden Handarbeit.
Wo das Schild steht, stand bis vor kurzem die Hecke dicht, wie im Hintergrund. Von links  Susanne Bosecker, Jörg Limmer, Johannes Welscher, Matej Mezovsky, Günter Heinlein und  Christine Neubauer.Nicole Julien-Mann


Auf dem Kronacher Kreuzberg gibt es einiges zu sehen: Große und kleine Spaziergänger, Jogger, Walker, Mountainbiker genießen die frische Luft. Hunde schnüffeln durch das Gebüsch, manchmal hoppelt ein Häschen davon, und irgendwann, wenn es niemand sieht, wühlen sich die Wildschweine durch die Wiesen. Auf relativ kleinem Raum entfalten sich viele Facetten einer Kulturlandschaft: Nutzwald, Ackerflächen, Wiesen, und Streuobstwiesen wechseln sich, dazwischen sorgen ausgedehnte Hecken für Struktur.

Neuerdings sieht es so aus, als würde es denen jetzt an den Kragen gehen. Wenn Jörg Limmer die Motorsäge ansetzt, dann kassiert er erboste Blicke von Passanten. Schließlich weiß jeder, wie wichtig Hecken als Schutzraum für Vögel und kleine Säuger sind, dass sie mit ihren Blüten und Früchten Insekten anlocken, Wind und Erosion in Schranken halten. Wieso also nietet man diese wertvollen Biotope einfach um?

Jörg Limmer sorgt sich um den Ruf der Landwirte: "Der hat in der letzten Zeit gelitten", weiß er. Und deswegen war es ihm ein Anliegen die Bevölkerung aufzuklären, warum er bei Hasel, Weißdorn und Hartriegel die Säge ansetzt. In Wirklichkeit nämlich geht es um nachhaltige Pflege von Hecken und Feldgehölzen.


Infotafeln klären auf

So entstanden in Zusammenarbeit mit Christine Neubauer und Susanne Bosecker von der Ökologischen Bildungsstätte Oberfranken, Günter Heinlein vom Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) Kulmbach/Kronach und Matej Mezovsky, Wildlebensraumberater für Oberfranken, Informationstafeln. Sie klären über die Heckenpflegearbeit auf und zeigen, welche Heckenabschnitte bearbeitet werden.

Das Bundesnaturschutzgesetz besagt, dass die geschützten Landschaftsbestandteile nicht erheblich beeinträchtigt werden dürfen. Aber was für den Hausgarten gut ist, gilt auch in der freien Natur: Ein beherzter Schnitt sorgt für Verjüngung und gesundes Wachstum.


Licht an dunkle Stellen

Dabei freilich gibt es einiges zu beachten und ohne Konzept geht gar nichts. Das Bayerische Kulturlandschaftsprogramm (KULAP) gibt die Richtlinien vor. Susanne Bosecker kennt sich damit aus: "Einen Strauch auf Stock setzen heißt, ihn bodennah abzusägen." Pilze und Fäulnis haben so keine Chance, dafür kommt Licht an vormals dunkle Stellen. Neue Saumarten, also Gräser, Kräuter und Blühpflanzen siedeln sich an, die Hecke verjüngt sich.

Damit alles wunschgemäß gedeiht, muss der Heckenpfleger behutsam und mit Augenmaß vorgehen: Einfach mit dem Bagger über das Gestrüpp pflügen, geht nicht. Stattdessen wird jeder Strauch und jeder Baum per Hand mit der Motorsäge bearbeitet. "Das ist eine ganz schöne Tortur, mit den vielen Dornen", meint Jörg Limmer. Vier Heckenabschnitte hat er bereits bearbeitet, für einen benötigt er einen ganzen Arbeitstag - wenn er Unterstützung von fünf bis sechs Helfern hat. Das Förderprogramm der KULAP versüßt die Mühen ein wenig: Wer einen Antrag zur fachgerechten Heckenpflege stellt, erhält etwa 2,50 Euro pro Quadratmeter. Die abgeschnitten Äste und Zweige werden an Ort und Stelle zu Hackschnitzeln verarbeitet. Ein Teil aber bleibt als Reisighaufen liegen, als Unterschlupf für Tiere.

Voraussetzung für die Förderung ist neben dem formalen Antrag ein sogenanntes Erneuerungskonzept, welches ein zertifizierter Konzeptersteller erarbeitet. Die Zertifizierung erfolgt durch die Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL).


Nach Fünf-Jahres-Plan

Berücksichtigt werden Hecken mit einer Fläche zwischen 100 und 1 700 Quadratmetern. Dabei wird eine Hecke nie auf einmal abgeholzt beziehungsweise auf Stock gesetzt. Vielmehr wird sie in mehrere Abschnitte unterteilt und nach Plan innerhalb von fünf Jahren nacheinander bearbeitet. So können die kleinen Bewohner in die verbleibenden des Gebüschs ziehen. Das frische Grün aus den Kahlschlägen wächst innerhalb eines Jahres bis zu 1,5 Metern nach. Sind die fünf Pflegejahre durchlaufen kehrt erst einmal Ruhe ein. Etwa zehn Jahre lang darf sich die Natur frei entfalten, dann rücken die Motorsägen wieder an.

Förderanträge zur Hecken- und Feldgehölzpflege liegen ab März im Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) aus. Es empfiehlt sich, die Anträge frühzeitig zu stellen, damit das Erneuerungskonzept bis zum Antragsendtermin am 30. Juni 2018 erstellt werden kann.