Gewappnet für den Ernstfall
Autor: Cindy Dötschel
Kronach, Donnerstag, 07. November 2019
Wo der normale Rettungswagen nicht hinfahren kann, eilt die Bergwacht Rennsteig zur Hilfe. So bereitet sich die Mannschaft auf die Evakuierung eines Sessellifts vor.
Wenn Menschen in unwegsamem Gelände in Not geraten, ist die Bergwacht zur Stelle. "Wir helfen Leuten, die im Wald mit dem Mountainbike gestürzt sind oder verunglückten Kletterern", sagt Bereitschaftsleiter Ralf Schmidt. Seine Mannschaft rückt nicht nur im Landkreis Kronach aus. Zum Einsatzgebiet gehören auch die umliegenden Landkreise. Wer sich zum Bergwächter ausbilden lässt, muss sich in unwegsamem Gelände fortbewegen können: "Klettern und Skifahren sind die Grundvoraussetzungen." Mindestens alle zwei Wochen trifft sich die Mannschaft zum Training. Schließlich müssen standardisierte Handgriffe im Einsatz sitzen, sagt Schmidt.
"In unserer Region gibt es einige Skilifte, beispielsweise in Bischofsgrün, Steinach und am Ochsenkopf. Wenn einer stehen bleibt, müssen die Leute evakuiert werden", berichtet Schmidt. Deshalb sei es wichtig, das kräftezehrende Verfahren regelmäßig zu üben - unter möglichst realen Bedingungen. In der Halle des BRK-Kreisverbands haben die Mannschaftsmitglieder deshalb ein Gerüst aufgebaut, das einen Sessellift imitieren soll. An einem Gabelstapler ist dabei ein Gummiband als Zugseil gespannt.
1.Seilfahrrolle einhängen
Florian Lemnitzer ist der Erste, der sich die Kletterausrüstung anlegt, um zwei seiner Kollegen zu retten. "Normalerweise hängen wir uns mit der Seilfahrrolle auf der Plattform ein und setzen uns dann langsam in die Sicherung", erklärt Lemnitzer. Eine Sicherung erfolge immer doppelt, in diesem Fall über die Seilfahrrolle und einen großen Karabiner.
2. Von der Plattform zum Lift
Nach der Sicherung lässt sein Partner, Notarzt Hubertus Franz, Lemnitzer über ein Seil langsam zu den Sesseln, in denen die Passagiere festsitzen, hinab. "Ohne die zusätzliche Sicherung durch Hubertus würde ich bis zum Sessel hinunterrauschen. Wenn ich angekommen bin, nimmt er mich aus der Sicherung und klettert selbst von der Plattform auf den Boden, um die Passagiere später in Empfang zu nehmen."
3. Rettungswindel und Sicherung
Am Klettergurt transportiert Lemnitzer auch Rettungswindeln. "Die Passagiere werden doppelt gesichert. "Einer der kritischen Momente ist, wenn der Bügel am Sessellift geöffnet wird", weiß Lemnitzer. Die Gondeln hängen in mindestens zehn Metern Höhe.
4. Überprüfung Sicherung
Bevor der erste Passagier abgeseilt wird, werden die Sicherungen und die Rettungswindel noch einmal überprüft. "Im Normalfall ist die Sicherung natürlich straffer, sodass der Gerettete maximal zehn Zentimeter nach unten sackt", berichtet Lemnitzer. Die Rettungswindel sei so konstruiert, dass um den Brustbereich einige Zentimeter Platz bleiben.