Verschiedene Salate, leckerer Käse-Aufschnitt, raffinierte Meerrettich-Eier und herzhafter Obatzda, selbst zubereitet nach einem alten Rezept - diese zum Teil recht fränkisch anmutenden Gerichte würde man sicherlich nicht auf Anhieb mit afrikanischen Essgewohnheiten in Verbindung bringen - und doch: Die fünf jungen Flüchtlinge aus Afghanistan und Mali schaufeln sich am Mittwochabend nicht nur ihre Teller voll, sondern haben die Leckereien auch vorher mit zubereitet. Da wurden Kartoffeln gekocht, geschält und kleingeschnitten, Nudeln al dente gegart, Dressings abgeschmeckt, der Obatzda noch einmal nachgeschärft. Die Eier bekamen ihre Meerrettich-Füllung und schließlich haben Souleymane, Rahman, Said, Ahmad und Musa noch alles appetitlich angeordnet, denn das Auge isst ja bekanntlich auch mit. Hilfe erhielten die jungen Männer im Alter von 16 bis 26 Jahren von den fleißigen Küchenfeen der Einrichtung, vor allem aber von den Bewohnern selbst - und einige von ihnen sind für sie schon liebgewordene Bekannte.
Drehen wir die Zeit einmal ein halbes Jahr zurück. Damals kochten im Mehrgenerationenhaus Buchbach junge Flüchtlinge bereits schon einmal zusammen mit Bewohnern des Ludwigsstädter BRK-Seniorenhauses afrikanische Spezialitäten wie Erdnuss-Suppe oder Mafe - ein Gulasch-Ragout aus dem Senegal. Der Kochworkshop war zunächst als ein einmaliges Projekt im Rahmen der Veranstaltungsreihe im Vorfeld des Afrikafests gedacht gewesen. "Uns ist der Austausch nicht nur zwischen Flüchtlingen und anderen jungen Menschen, sondern auch Senioren wichtig", betont die Struwwelpeter-Mitarbeiterin Natascha Christmann vom Afrikafest-Vorbereitungsteam. Sicherlich seien bei manchen älteren Leuten bestimmte Ängste mit Flüchtlingen beziehungsweise Menschen anderer Hautfarbe verbunden. Andererseits hätten die Asylbewerber kaum Vorstellungen, wie Senioren bei uns lebten. So sei im Sommer die Idee eines gemeinsamen Kochworkshops entstanden. Beim gemeinsamen Kochen sollten Senioren die Möglichkeit erhalten, im wahrsten Sinne des Wortes in die andere Kultur hineinzuschnuppern.
Eingeladen waren damals alle älteren Menschen aus der Umgebung von Buchbach. Dankend angenommen wurde das Angebot insbesondere vom BRK-Seniorenhaus Ludwigsstadt mit mehreren Heimbewohnern, die sich damals - "chauffiert" und begleitet von der Betreuungskraft Brigitte Kaim - gerne auf den gemeinsamen Kochnachmittag einließen. Die Idee des Hineinschnupperns in andere Kulturen ging voll auf. So wurde nicht nur lecker gekocht, sondern es ergaben sich auch viele gute Gespräche. Da der gemeinsame Nachmittag den jungen Leuten wie auch den teilnehmenden Heimbewohnern Fredi Thomas, Günter Weigel und Petra Güntsch sowie der Seniorenhaus-"Nachbarin" Marianne Güntsch so viel Spaß bereitete, sprachen diese spontan eine Einladung für einen Gegenbesuch in Ludwigsstadt aus. Man versprach, in Kontakt zu bleiben und alle freuten sich bereits auf ein Wiedersehen - so geschehen am Mittwochnachmittag, als man sich nun der deutschen Küche widmete.
Zuerst aber unternahmen die jungen Leute eine Hausbesichtigung, was bei ihnen offensichtlich einen bleibenden Eindruck hinterließ. "In Afrika gibt es keine Altenheime. Die alten Menschen bleiben bis zu ihrem Tod in den Familien", erklären die Flüchtlinge. Dass man sich in Deutschland so gut um die alten Leute kümmert, finden sie aber sehr gut. Said glaubt, dass ihm die Pflege von Senioren gefallen könnte. Daher würde der 18-Jährige gerne mal ein Praktikum im Seniorenhaus machen.
Das würde sicherlich auch den Heimbewohnern gefallen, die die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft der jungen Flüchtlinge lobten und ihnen nur das Beste wünschten. "Ich wünsche den Flüchtlingen, dass sie besser aufgenommen werden als damals die Aussiedler, die nach dem Krieg nach Deutschland kamen", sagt Hermann Treuner nachdenklich. Der 88-Jährige hat auf Reisen schon einiges von der Welt gesehen. Traurig sagt er: "Die Welt ist so schön, aber die Menschen machen alles kaputt!"
Da auch diese Aktion erneut allen Beteiligten viel Freude bereitete, sind weitere gemeinsame Aktionen durchaus vorstellbar.