Ein besonderes Kätzchen
Autor: Cindy Dötschel
Marktrodach, Dienstag, 10. Sept. 2019
Cindy hat ein Bein verloren - und trotzdem überlebt. Nala und ihre Geschwister hatten mehr Glück. Doch unzählige weitere Katzenbabys, die in freier Wildbahn auf die Welt kommen und nicht gefunden werden, sterben elendig.
Ein kleine Katze schaut vorsichtig aus einer Transportbox. Ihre graugrünen Augen sehen noch müde aus. Tierheimmitarbeiterin Carmen Schreiner kommt und hebt das Kätzchen hoch. Das getigerte Fell schimmert schwarzbraun. Dort, wo normalerweise das rechte Vorderbeinchen beginnt, zeichnet sich eine fünf Zentimeter lange OP-Wunde ab: Das Kätzchen hat nur noch drei Beine.
"Wir haben Cindy verletzt gefunden, das Beinchen war leider nicht mehr zu retten", sagt Schreiner während sie sanft ihr Fell streichelt. Seit 16 Jahren nimmt die Kronacherin regelmäßig Katzen, die verletzt sind oder noch mit der Flasche gefüttert werden müssen, bei sich zu Hause auf. Später werden sie dann über das Tierheim vermittelt. Im vorletzten Jahr hatte Streicher 17 Babykatzen aus fünf Würfen gleichzeitig aufgenommen. Während bei ihr in dieser Saison einzig Cindy Zuflucht gefunden hat, hat ihre Kollegin Laura Daum bis vor kurzem einen ganzen Wurf mit der Flasche aufgezogen. "Wenn man nebenher noch arbeitet, ist man nach zwei Wochen am Ende seiner Kräfte", sagt die 19-Jährige, die Cindy mittlerweile auf dem Arm trägt.
Alle zwei Stunden Milch
Anfangs brauchen die Katzen alle zwei Stunden Milch, auch nachts. "Wichtig ist, dass Katzenbabyaufzuchtmilch und keine normale Milch gefüttert wird", betont Schreiner. Nach zwei bis drei Wochen bekommen die Katzen das Fläschchen nur noch alle drei Stunden. Wenn im Alter von fünf bis sechs Wochen langsam Zähne wachsen, könne mit der Fütterung von Dosenfutter begonnen werden.
Der Wurf, den Daum aufgenommen hat, wurde im Alter von etwa vier Wochen in einem Garten gefunden: "Ein Kater und eine Katze wurden bereits zusammen vermittelt, die beiden übrigen Katzen Nala und Nena sind noch hier im Tierheim." Daum war es wichtig, dass jeweils zwei ihrer Katzen nach der Vermittlung zusammen bleiben können.
Bei Nala und ihren Geschwistern haben die Anwohner alles richtig gemacht: " Manchmal greifen die Leute nach dem Auffinden kleiner Katzen zu früh ein", schildert Schreiner die Situation. Man sollte zunächst abwarten, ob die Mutter doch wieder kommt. Ist dies nicht der Fall, sollte man am besten im Tierheim anrufen oder einen Tierarzt um Rat fragen.
Während Schreiner über ihre Arbeit erzählt, huscht die schwarzweiß gemusterte Nala durch eine Katzenklappe in das Außengehege des Katzenzimmers. Sie wurde rechtzeitig gefunden. Doch weit nicht alle Katzenbabys haben das Glück. "Die armen Katzen, die nicht gefunden werden, sterben infolge von Marderbissen oder Unfällen elendig."
Dabei gibt es eine Möglichkeit, das zu verhindern: Kastration. So unterbindet man, dass sich Katzen in freier Wildbahn unkontrolliert vermehren. "Wenn jeder Katzenbesitzer sein Tier kastrieren lassen würde, wäre schon viel getan", appelliert Schreiner. Vor allem bei Katern werde oft von dem Eingriff abgesehen, denn schließlich bringen nur Katzen Jungtiere mit nach Hause.