Die Kronicher Housnkuh ist Mitwitzerin

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Das ist sie, die Kronicher Housnkuh, die ab Donnerstagabend am Kronacher Rathaus stehen wird. Fotos: Corinna Igler
Stolz präsentiert der Kleintierzüchter Arnold Nentwich seine Kroniche Housnkuh.
 
 
 

Ab Donnerstagabend steht am Kronacher Rathaus ein Hasenstall mit einer Housnkuh darin.Warum, verrät Stadtvogt Hans Götz.

Ihre Vorfahren haben im Dreißigjährigen Krieg die Schweden vertrieben. Würden die Schweden die Kronicher Housnkuh - ja, so lautet der Name des Kaninchens aus dem Stall von Arnold Nentwich aus Mitwitz - heute sehen, würden sie wohl auch von einer Belagerung Kronachs absehen, ist sich ihr Besitzer sicher. "Wenn das kleine Häschen gewesen wären, hätten die Schweden doch nicht gedacht, dass es den Kronachern noch zu gut geht. Das müssen schon richtig große Housnküh gewesen sein."
Und genau so eine ist auch seine Kronicher Housnkuh. Kaninchen ist für sie schon nicht mehr der passende Ausdruck - auch wenn sie ein Rassekaninchen ist, nämlich ein Deutscher Riese grau. Prachtkerl trifft es eher. Auf 5,5 Kilo bringt sie es - und das schon nach gerade mal einem dreiviertel Lebensjahr. Für ihre Rasse aber nicht ungewöhnlich, schließlich handelt es sich um die größte Kaninchenrasse in Deutschland. Bis zu sieben Kilo kann es die Kronicher Housnkuh nach Angaben ihres Züchters bringen - allerdings nicht mehr bis zum Stadtspektakel in gut einer Woche.
Was das Tier mit dem historischen Stadtfest zu tun hat? "Die Housnkuh steht ja für die Schlauheit und den Listenreichtum der Kronacher, aber auch dafür, dass die Kronacher es schon früher verstanden haben, sich aus misslicher Lage zu befreien. Eben, im Dreißigjährigen Krieg, von der Belagerung der Schweden. Das heutige Kronach ist natürlich nicht in einer einer solch lebensbedrohlichen Situation, aber immerhin geht es ums finanzielle Überleben. Da ist genauso Schlauheit und List von Nöten", erklärt Stadtvogt Hans Götz.
Und aus diesem Grund stehe die Housnkuh ab Donnerstagabend acht Tage lang bis zum Stadtspektakel am Rathaus: "Jeder Ratsherr der daran vorbeiläuft, soll einmal ,querdenken‘. Vielleicht kommt er dann auf die ,rettende‘ Idee, wie damals im Dreißigjährigen Krieg."
Außerdem werde nach Ansicht von Hans Götz die Housnkuh in Kronach viel zu wenig als Symbol für den Einfallsreichtum der Kronacher Bürger erkannt. "Und hat dieses Tier nicht Anerkennung verdient, für seine großartige Tat während des Dreißigjährigen Krieges?", fragt er.
Die wird die Kronicher Housnkuh in den nächsten acht Tagen zumindest von einem bekommen: Arnold Nentwich. Schon seit Wochen hegt und pflegt er sein Kaninchen, hält es mit gutem Futter bei bester Gesundheit und macht es durch tägliche Streicheleinheiten zahm. Und das bleibt auch in den nächsten Tagen so: "Ich werde zweimal täglich nach Kronach fahren und nach ihr schauen, sie mit genügend Wasser versorgen, sie füttern und ihren Stall sauber machen", sagt der Kleintierzüchter.
Als Stadtvogt Hans Götz gefragt hat, ob seine Idee umsetzbar sei, eine echte Housnkuh vor das Rathaus zu stellen, musste der Kleintierzüchter nicht lange zögern: "Wenn sie draußen steht und genügend Wasser hat, ist das kein Problem". Und Nentwich muss es wissen, schließlich ist er schon seit 1972 Kleintierzüchter, hat "schon als Kind in jeden Taubenkäfig und jeden Hasenstall geschaut". Hauptsächlich züchtet er zwar Tauben, hat aber zudem Kaninchen, einige Hühner - sogar Perlhühner - und Elsterkröpfe. Kleintierzucht lerne man aber nicht in ein oder zwei Jahren, die Erfahrung komme mit den Jahren. Zudem brauche es eine gewisse Liebe zum Tier. Und die wird er seiner Kronicher Housnkuh auch in den nächsten acht Tagen geben.
Doch nicht nur seine Aufmerksamkeit wird die Kronicher Housnkuh die nächsten Tage genießen, glaubt Stadtvogt Hans Götz: "Sicherlich färbt die Anwesenheit eines solch symbolträchtigen Tieres auch auf die Entscheidungsqualität der Ratsherren und der Stadtangestellten ab. Sie werden - das Ereignis im Dreißigjährigen Krieg vor Augen - sich nicht mit gewöhnlichen Entscheidungen abfinden, sondern versuchen, listenreiche Beschlüsse herbeizuführen, die den Bürgern und der Stadt nützen."
Doch eine Frage stellt sich noch: Wie kommt eigentlich ausgerechnet ein Mitwitzer Kaninchen dazu, Kronicher Housnkuh zu sein? "Ich bin aus Mitwitz, aber Mitglied im Kronacher Kleintierzuchtverein - und der ist schon seit Jahren beim Stadtspektakel dabei und darf deshalb die Housnkuh stellen", klärt Nentwich auf.

Geschichte Als während des Dreißigjährigen Krieges in Kronach die Schweden vor den Stadtmauern standen, soll der Legende nach, bei einer der Belagerungen ein findiger Bürger, um den Schweden eine gute Versorgungslage innerhalb der Stadt vorzugaukeln, mit seinem Hasen auf der Stadtmauer spaziert sein. Die List gelang, die Schweden zogen ab.

Stadtspektakel Das Kronacher Stadtspektakel wurde im Jahre 1996 zum ersten Male abgehalten - initiiert von Stadtvogt Hans Götz. Die Zugehörigkeit, in der vorbayerischen Zeit, zum Hochstift Bamberg und die sich daraus ergebenden historischen Begebenheiten bilden die Grundlage für das historische Treiben, das die Zeit der Renaissance und des Barock widerspiegelt. Kern und strukturelles Gerüst des Festes sind die vielen kleinen, zum überwiegenden Teil historisch belegten Szenen zur Kronacher Stadtgeschichte: das Schmäußbräuen, der Viertelmeisterlauf, die Verleihung der goldenen Amtskette an den Oberbürgermeister, das Theaterspiel zur "Kroniche Housnkuh", das Lager der Ausschüsser am Hexenturm, etc. Das historische Stadtfest findet im zweijährigen Rhythmus in Kronachs Oberer Stadt statt.

Kleintierzucht Sie dient der Erhaltung besonderer Arten von Hühner-, Tauben- und Kanninchenrassen.

Verein Der Kleintierzuchtverein Kronach und Umgebung wurde 1883 als Verein für Vogel- und Geflügelzucht gegründet. Die Mitglieder treffen sich jeden ersten Freitag im Monat um 20 Uhr in der Gaststätte Kettelerhaus in Kronach. Arnbold Nentwich ist Zweiter Vorsitzender, Erster ist Helmut Hanff.

Termin Die "Inthronisierung" der Kronicher Housnkuh am Kronacher Rathaus findet am Donnerstagabend um 18 Uhr statt.