Die dicken Dinger aus Tettau
Autor: Maria Löffler
Tettau, Dienstag, 14. August 2018
Im Tropenhaus "Klein Eden" wächst die größte aller Baumfrüchte. Fleisch und Kerne der Jackfrucht lassen sich vielseitig verwenden.
Sie riecht wie ein Hubba-Bubba-Kaugummi und schmeckt wie eine Mischung aus Ananas, Banane und Mango. Die Jackfrucht ist ein echtes Multitalent und erobert gerade den deutschen Markt. Das Schwergewicht gilt als die Größte aller Baumfrüchte und wächst unter anderem im Tropenhaus "Klein Eden" in Tettau. Der Jackfrucht-Baum hat seine Ursprünge in den westlichen Küstengebirgen Vorderindiens und soll schon zur Zeit der Dinosaurier existiert haben.
Mit Handschuhen ernten
Die reife Frucht zu ernten, ist schon ein kleines Abenteuer. Im Tropenhaus erledigen das an diesem Tag Katharina Suffa und Linda Johanna Neubauer. Gärtnerin Kathrin Kaegebein gibt Tipps, denn man kann sie ja nicht so einfach vom Baum pflücken. Mit einem Sägemesser wird sie abgetrennt und sofort tritt am Strunk eine weiße, klebrige Masse aus. "Deshalb sollte man immer mit Handschuhen arbeiten", meint Kathrin Kaegebein. "Mit Seife kriegt man das nur schwer ab. Besser sind Pflanzen- oder Olivenöl." Ist die reife Jackfrucht abgeerntet, dann könne man sie zwar noch eine gewisse Zeit im Kühlschrank lagern, aber nach zwei bis drei Tagen sollte sie verarbeitet werden.
Linda Johanna Neubauer zeigt, wie man das vitaminreiche Riesenbaby fachmännisch zerlegt. Die äußere Schale erinnert irgendwie an ein Gürteltier, hat grüne, längliche Noppen und lässt sich leicht eindrücken. Dann holte sie ein beängstigend großes Messer her und ölt es ein, um an das Innere zu gelangen.
Die Spannung steigt, als die Frucht aufklappt und sofort werden gelblich-oranges Fruchtfleisch und große Kerne sichtbar. Ein süßlicher Duft breitet sich aus und verströmt sein intensives Aroma. Die Frage: "Und jetzt?", stellt sich unwillkürlich, wenn man noch nie etwas mit der Jackfrucht zu tun hatte. Ähnlich wie bei einer Melone könnte man auch hier Stücke herausschneiden. Die Schale sollte man vorher entfernen, rät Kathrin Kaegebein.
Köstliche Kerne
Für den Abfall viel zu schade dagegen seien die Kerne. Sie allein gelten schon als Multitalente: "Sie schmecken wie Esskastanien und man kann sie roh, gekocht oder getrocknet essen. Wenn man sie röstet, dann schmecken sie toll als Suppenbeilage oder als Snack zwischendurch."Und das Fruchtfleisch? Hier fallen den Mitarbeiterinnen des Tropenhauses sofort zahlreiche Möglichkeiten ein: "Obstsalat, Eintopf, Burger, Wraps, Kuchen, Eis, Püree, Smoothie, Saft..."
Als Fleischersatz geeignet
Gerade die unreife Frucht, die man erntet, damit die restlichen Früchte besser reifen könnten, erobere gerade die vegetarische und vegane Küche. "Man kann sie als Pulled Pork kaufen, oder als Fleischersatz braten, kochen, dünsten..." Die Konsistenz erinnere an Hähnchenfleisch, sei aber eher geschmacksneutral. Zwölf dieser beeindruckenden Früchte gibt es derzeit im Tropenhaus, von denen drei schon abgeerntet worden seien. "Letztes Jahr waren es nur sechs, es werden also immer mehr, freut Marketingchef Ralf Schmitt.