Der Bahnhof Nordhalben lebt wieder auf

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Projektreferent Peter Schabe von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (rechts) war beeindruckt vom Bahnhof Nordhalben. Von links: Winfried Götz von der Unteren Denkmalschutzbehörde, Architektin Dorothea Dietrich, Besitzer Reinhard Köchel, Vorsitzender Ralf Ellinger sowie Regionalmanager Willi Fehn. Fotos: Gerd Fleischmann
Projektreferent  Peter Schabe von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (rechts) war beeindruckt vom Bahnhof Nordhalben. Von links: Winfried Götz von der Unteren Denkmalschutzbehörde, Architektin Dorothea Dietrich, Besitzer Reinhard Köchel, Vorsitzender Ralf Ellinger sowie Regionalmanager Willi Fehn.   Fotos: Gerd Fleischmann
Projektreferent Peter Schabe von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (rechts) war beeindruckt vom Bahnhof Nordhalben. Von links: Winfried Götz von der Unteren Denkmalschutzbehörde, Architektin Dorothea Dietrich, Besitzer Reinhard Köchel, Vorsitzender Ralf Ellinger sowie Regionalmanager Willi Fehn. Fotos: Gerd Fleischmann
Projektreferent  Peter Schabe von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz (rechts) war beeindruckt vom Bahnhof Nordhalben. Von links: Winfried Götz von der Unteren Denkmalschutzbehörde, Architektin Dorothea Dietrich, Besitzer Reinhard Köchel, Vorsitzender Ralf Ellinger sowie Regionalmanager Willi Fehn.   Fotos: Gerd Fleischmann
 
Der Lokschuppen mit seinem markant wirkenden Zyklopenmauerwerk ist eine weitere Attraktion im Bahnhofsensemble.
Der Lokschuppen mit seinem markant wirkenden Zyklopenmauerwerk ist eine weitere Attraktion im Bahnhofsensemble.
 
Exakt vor 110 Jahren entstand dieses Foto mit dem ehemaligen Personal im Bahnhof Nordhalben. Repro: Gerd Fleischmann
Exakt vor 110 Jahren entstand dieses Foto mit dem ehemaligen Personal im Bahnhof Nordhalben. Repro:  Gerd Fleischmann
 

Die Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn Nordhalben wollen den Erwerb und die Sanierung des Bahnhofes Nordhalben realisieren. Der Verein muss zehn Prozent der Kosten tragen.

Die Eisenbahnfreunde Rodachtalbahn Nordhalben haben mit ihrem Vorsitzenden Ralf Ellinger Großes vor: Die 130 Mitglieder zählende Interessengemeinschaft, die in den vergangenen Jahren geradezu Spektakuläres im Bereich der Eisenbahnhistorie geleistet hat, will den Erwerb und die Sanierung des Bahnhofs Nordhalben realisieren. Seit der Wiedereröffnung der elf Kilometer langen Teilstrecke zwischen Steinwiesen und dem Endbahnhof Nordhalben mit einer Museumsbahn - besser bekannt als der "Rote Brummer" - haben seit September 2007 fast 50 000 Besucher dieses außergewöhnliche Angebot genutzt. Und dieser Andrang gibt zu Optimismus Anlass.

Bei einer Sanierung der baulichen Anlagen könnte - so die Meinung der Experten - mit diesem einmaligen Ensemble ein weiteres Leuchtturmprojekt für den Frankenwald geschaffen werden. Eine ganz wesentliche Bereicherung des Fremdenverkehrsangebots wäre damit automatisch verbunden. 1#googleAds#100x100 Vor allem bestechen die vier vorhandenen Gebäude mit ihrem selten gewordenen Zyklopenmauerwerk aus heimischer Grauwacke. Hierbei handelt es sich um eine Sonderform des Bruchsteinmauerwerks aus unregelmäßigen Steinen, die sorgfältig mit großem Können vermauert wurden.

Das Vorhaben

Und das haben die Eisenbahnfreunde vor: Schwerpunktmäßig sind die Errichtung eines Erlebnis- und Museumsbahnhofs mit Wartesaal und Bistro, Fahrkartenschalter mit Museumsshop, eine Ausstellung über die Geschichte der Rodachtalbahn sowie sanitäre Anlagen im Erdgeschoss des ehemaligen Empfangsgebäudes geplant. Außerdem könnten im Obergeschoss weitere Ausstellungsflächen, so unter anderem für eine Modellbahn, entstehen. Vor allem soll das Hauptgebäude wieder ein Bahnhofsvordach erhalten. Auch beabsichtigt der Verein die Anschaffung einer Handhebeldraisine für Bahnhofsrundfahrten.

Des Weiteren soll der Lokschuppen wieder als Unterstand für die Museumsfahrzeuge dienen und für kleinere Reparaturen nutzbar sein. Notsicherungsmaßnahmen sind bereits erfolgt. Die in diesem Gebäude befindlichen Übernachtungsräume der Lokführer seien ebenfalls renovierungsbedürftig, informierte Ralf Ellinger. Das ehemalige Nebengebäude (Toilette, Waschküche, Holzlege) könnte schließlich für eine kleine Werkstatt genutzt werden. Und im Güterschuppen böte sich ein Lagerraum für Sonderausstellungen an.

Die Zeit der Schienenbusse

Mit der Sanierung des denkmalgeschützten Bahnhofs-Ensembles solle die Zeit der 1960er-Jahre, also die Zeit der Schienenbusse, wieder aufleben, informierte der Vorsitzende den Projektreferenten Peter Schabe von der Deutschen Stiftung Denkmalschutz. Schabe, zuständig für die Bundesländer Bayern und Berlin, war bei seinem jüngsten Besuch beeindruckt von den beachtlichen örtlichen Aktivitäten und vor allem vom guten Zustand aller baulichen Elemente. Er werde sich mit aller Kraft für eine angemessene Finanzierungsbeteiligung einsetzen. Gerade auf dem Gebiet historisch interessanter Bahnhofsanlagen bestehe deutschlandweit großer Nachholbedarf. An der Besprechung nahmen auch Regionalmanager Willi Fehn, Winfried Götz (Untere Denkmalschutzbehörde im Landratsamt Kronach), Architektin Dorothea Dietrich vom Architekturbüro Detsch in Kronach, Besitzer Reinhard Köchel sowie Kreisheimatpfleger Gerd Fleischmann teil.

Die berechneten Kosten lägen, so Ralf Ellinger, für Grunderwerb sowie Sanierung von Empfangsgebäude, Lokschuppen, Güterhalle und Nebengebäude bei etwa 1,8 Millionen Euro. Zuschüsse seien beantragt worden über Leader (EU), Entschädigungsfonds, Landesstiftung, Oberfrankenstiftung sowie Deutsche Stiftung Denkmalpflege. Die Koordination der Maßnahmen obliege dem Landesamt für Denkmalpflege, Außenstelle Schloss Seehof, Memmelsdorf.

Der Eigenanteil des Vereins liege bei etwa zehn Prozent, verriet der Vorsitzende. Vor allem sei man gehalten, sich mit Hand- und Spanndiensten einzubringen, denn die vorhandenen Mittel seien für die Aufrechterhaltung des Museumsbahnbetriebs erforderlich.


Als im Jahr 1900 die eingleisige Nebenstrecke von Kronach nach Nordhalben - die Streckenlänge lag bei 24,88 Kilometern - fertig gestellt wurde, sorgte die Bahn für eine wirtschaftliche Belebung.Vor allem italienische Arbeiter waren es, die man für den Ausbau eingesetzt hatte. Die Bahn gilt auf Grund der Steigung von bis zu 20 Promille als Mittelgebirgsbahn. Und darin hatten die Südeuropäer die größte Erfahrung.

Nordhalben war - außer Kronach - die einzige Station der Nebenbahn mit einem zusätzlichen Warteraum II. Klasse, auch wenn nur Züge mit Wagen der III. Klasse verkehrten. Beide Warteräume sind noch vorhanden, jedoch ohne entsprechendes Mobiliar. Der Bahnhof Nordhalben war bis 1. Juni 1910 eigenes Betriebswerk für die Unterhaltung der Fahrzeuge und der Strecke. Danach war man dem Betriebswerk Rothenkirchen, später Pressig-Rothenkirchen unterstellt. 1904 wurde auf Höhe der Thomasmühle für die Bediensteten ein Beamtenwohngebäude errichtet. Dieses steht auch noch nahezu unverändert.

Eine Inselbahn

Bereits im Jahr 1976 endete der planmäßige Personenzugverkehr. Der Güterverkehr wurde dann 1994 eingestellt und die Strecke daraufhin stillgelegt. Der südliche Streckenteil zwischen Kronach und Steinwiesen konnte nicht erhalten werden und ist inzwischen komplett abgebaut. Folglich ist die Rodachtalbahn mit ihren elf Kilometern eine "Inselbahn" und nicht mehr an das Streckennetz der Deutschen Bahn angebunden.

Die Eröffnung der Museumsbahn geschah am 15. September 2007. Sonderfahrten wurden zu Ostern und Nikolaus sowie Charterfahrten auf Bestellung angeboten. Vor Betriebseröffnung waren umfangreiche Sanierungsmaßnahmen vor allem bei Brücken und Bahnübergängen erforderlich. Nur mit viel Engagement konnten die Mitglieder diese umfangreichen Arbeiten stemmen.

Aufsichtsbehörden sind das Eisenbahnbundesamt sowie die Regierung von Mittelfranken für die Eisenbahnen Nordbayerns. Die Prüfung der Strecke und Fahrzeuge erfolgt alle zwei Jahre. Die Höchstgeschwindigkeit auf der Strecke beträgt 50 Stundenkilometer.

100 Höhenmeter zu überwinden

Für die einfache Fahrzeit benötigt der "Rote Brummer" 30 Minuten. Immerhin müssen zwischen Steinwiesen und Nordhalben fast 100 Höhenmeter überwunden werden. Am vereinseigenen Bahnhof Dürrenwaid ist eine Ausstellung über die Entwicklung der Museumsbahn angebracht und kann während des Aufenthalts besichtigt werden, informierte Vorsitzender Ralf Ellinger.

An Personal wird pro Betriebstag benötigt: Ein Lokführer, ein Bahnübergangssicherungsposten, ein oder zwei Zugbegleiter, zwei Mitglieder für den Speisewagen und den Infostand am Bahnhof Nordhalben sowie Personal für den Bahnhof Dürrenwaid. An etwa 35 Betriebstagen pro Jahr ist der Schienenbus im Einsatz. Am Bahnhof Nordhalben stehen derzeit zwei Speisewagen für die Bewirtung der Fahrgäste bereit. Seit diesem Jahr wurde dem Verein von der befreundeten Märkischen Kleinbahn bei Berlin leihweise eine Handhebeldraisine (Schienenhilfsfahrzeug, das mit Muskelkraft betrieben werden kann) für Bahnhofsrundfahrten zur Verfügung gestellt.

Gerd Fleischmann