"Den Mut wieder lernen"
Autor: Maria Löffler
Kronach, Freitag, 31. Januar 2020
Mit Anne Körkel trat eine selbstbewusste Landwirtin und Unternehmerin ans Rednerpult im Kronacher Schützenhaus.
"Wir auf dem Land müssen uns nicht von der Stadtbevölkerung sagen lassen, wie wir unsere Arbeit zu machen haben." Mit dieser Bemerkung holte sich Kreisbäuerin Rosa Zehnter die Zustimmung eines ganzen Saales voller Menschen. Ins Kronacher Schützenhaus hatten die Landfrauen eingeladen, und sie wussten ganz genau, wovon sie sprachen. "Die Landwirtschaft prägt die Region und wir prägen die Landwirtschaft."
Aber auch Zweifel schlichen sich in die Reden und standen wie Mahnmale zwischen Zuversicht und Hoffnung. "Die Politik muss sich Gedanken machen. Wir wissen nicht, ob unsere Betriebe noch eine Zukunft haben. Sind sie in der Politik und in der Gesellschaft überhaupt noch gewollt? Können wir weiter Tiere halten? Es geht um unsere Existenz!"
Wie es funktionieren könnte, zeigte "Mut-Botschafterin" Anne Körkel. Die kommt aus dem Badischen und verbreitete mit ihrem Referat mehr als einen Hoffnungsschimmer. Von sich selbst sagt sie: "Ich bin Unternehmerin, gelernte Landwirtin, Energiebündel und zweifache Deutsche Meisterin im Beet pflügen."
Anne Körkel, die mit einem Bein in der digitalisierten und mit dem anderen in der analogen Welt steht, zupft ihre Hähnchen, die sie verkauft, noch händisch mit der Pinzette. "Jeder Federkiel wird gezogen." Auch das sei Teil ihrer Erfolgsstory, denn Körkel ist bei einer Jahresproduktion von 5000 Hähnchen angelangt, "und das reicht mir vollkommen. Bei mir gibt es keine Edelteile wie eine Hähnchenbrust, bei mir gibt es nur ganze oder halbe Hähnchen." Die dann aber von einer ganz besonderen Qualität und völlig ohne Chemie. Und das wissen auch ihre Kunden, denn Körkel gewährt Einblick in ihre Ställe und auf die Tiere. Sie hatte ihre Kunden sogar einbezogen, als die Tiere die Grippe hatten und so vor der Entscheidung stand: Medikamente ja oder nein? Letztlich sei es auch ohne gegangen, aber nur so könne sie das Vertrauen ihrer Kunden rechtfertigen. Ein weiteres Erfolgsgeheimnis beschreibt die Unternehmerin so: "Ich friere nicht ein und ich verschicke nicht. Meine Kunden kommen aus einem Umkreis von etwa 80 Kilometern."
Den Stempel "Öko" will sie sich gar nicht aufdrücken lassen, "denn ich bin besser. Die Vorgaben werden von mir übererfüllt, da müsste ich ja einen Schritt rückwärts gehen." Mittlerweile sei sie ein "Demonstrationsbetrieb" für den Tierschutz "und das Alleinstellungsmerkmal bin ich. Jeder Kunde kauft ein Stück von mir." Man müsse seine Verbraucher einfach mitnehmen auf die landwirtschaftliche Reise.
In einer Opferrolle
"Und jetzt sage ich mal etwas zum Thema Mut: Wir sind zwar durch den gesellschaftlichen Druck und den politischen Korsagen am Ende unserer Energie, aber wir verharren auch sehr gerne in einer Opferrolle. Die Zeiten werden aber nicht besser." Mut müsse man wieder lernen, meinte sei, denn er sei ja im Menschen schon vom Tage null an festgelegt. Allerdings halte das nur bis zum dritten Lebensjahr. "Hätte ein Kind die Einstellung eines Erwachsenen, würde es niemals laufen lernen."
Körkel weiter: "Mut ist eigentlich ein Frauenthema. Aber bei den Start-ups liegt der Frauenanteil gerade mal bei 15 Prozent. Was also lässt Frauen nicht machen?" Frauen behielten ihre Ideen leider allzu oft nur im Kopf, bedauerte sie. Man könne sich aber selbst überlisten, indem man Verbindlichkeit schaffe. Sie riet, Absichten in Richtung Selbstständigkeit in den sozialen Netzwerken zu posten, oder sie auch Freunden zu erzählen. "Das schafft Verbindlichkeit. Dann muss man anfangen."