Linus Klug und Benjamin Förtsch haben Unterricht, der etwas anders ist. "Das Kreuz mit dem Prozent" lautet am Dienstagmorgen die Aufgabe. Auf ihrer Schulbank fehlen Bücher, Hefte, Stifte. Stattdessen steht dort ein Computer.

Die beiden Schüler tippen ihr Passwort ein. Schnell gelangen sie auf "Mebis". Dort, könnten sie sich einklicken in die Mediathek, in Prüfungsarchive, in Aktuelles, Beispielkurse etc. Sie tasten sich mit dem Mauszeiger weiter, bis sie schließlich zum Kurs Tabellenkalkulation gelangen. Dort befassen sich die 13-Jährigen mit ihrer Aufgabe.

Seit September 2013 lernen die Schüler der Klasse 7 a zwei Stunden pro Woche am Computer. Sie befassen sich mit "Mebis". Sie setzen sich an ihrem "Arbeitsplatz" mit IT-Anfangsunterricht, mit Tabellen, mit Text- und Bildbearbeitung, Präsentationen etc. auseinander.
Sie stellen Fragen in Foren, sie geben Feedback, sie erledigen ein Teil ihrer Hausaufgaben am Computer und manchmal auch mithilfe des Smartphones.

Für Benjamin Förtsch hat diese Lernmethode seine Richtigkeit. Nahezu jeder Mensch arbeitet heute am Computer, je früher man da ran geführt wird, desto besser ist es, meint er. Das Lernen am Computer macht mehr Spaß, so Linus Klug. Der Vorteil ist, dass man nahezu überall sich mit seinem Lernstoff befassen kann. "Der Computer gehört einfach zum Leben dazu!".

Lehrer als Lernorganisator

Otmar Wagner unterrichtet die Klasse in dieser Stunde. Statt vorne an der Tafel zu stehen und Informationen zu vermitteln, geht er von Schüler zu Schüler. Er fragt nach, erklärt. "Die Rolle des Lehrers wird sich wandeln", ist der 60-Jährige überzeugt. Der Lehrer wird nicht mehr nur Wissen nach dem Lernplan vermitteln, sondern er wird verstärkt als Lernorganisator gefordert sein. Auch werden sich längerfristig die Kollegen/innen vermehrt mit dem Einsatz von digitalen Medien im Unterricht befassen müssen.

Am Anfang, so erzählt er, habe er sich trotz Computerkenntnisse intensiv mit "Lernreich 2.0" auseinandersetzen müssen. "Es war sehr zeitintensiv." Mittlerweile erlebt er mehr die Vorteile des Lernens am Computer. Man könne dadurch jeden Heranwachsenden individueller fördern, ist er überzeugt.

Als IT-Lehrer hat an seinem Computer jederzeit Zugriff auf die Aufgaben seiner Schüler. Schnell kann er Fehler erkennen und entsprechend darauf hinwiesen. Es komme auch vor, dass abends Fragen seitens von Schülern kommen, erzählt der Lehrer. Den Jugendlichen, so weiß er mittlerweile aus Erfahrungen, machen die Vielfalt der Lernangebote Spaß. Als weitere Pluspunkte nennt er die Förderung von Teamarbeit, Selbstorganisation und -motivation.

Wagner ist überzeugt: Der Computer und das Lernen mit diesem Medium werden künftig verstärkt eine Rolle in den Schulen spielen. Deshalb sei es auch notwendig, dass die dafür notwendigen technischen Voraussetzungen wie schnelleres DSL, Breitband etc. geschaffen werden.

Vorreiterrolle

Mit anwesend in der Unterrichtsstunde waren die Schuldirektorin Christa Bänisch, ihr Stellvertreter Matthias Klinke und die Projektleiterin, Eva Stolpmann. Letztere wies darauf hin, dass diese Lernplattform für naturwissenschaftliche Fächer sowie für Deutsch und Englisch angeboten wird.

Christa Bänisch erklärte, dass ihre Schule eine von 16 Realschulen bayernweit sei, die für diesen - auf drei Jahren angelegten Schulversuch - ausgewählt wurde. Gestartet sei man in 2013/2014 mit zwei Klassen. In den nächsten beiden Jahren werden jeweils zwei weitere dazukommen. Die RS I ist eine Schule, die auf diesem Gebiet eine Vorreiterrolle übernommen hat.