Die Bergmannskapelle Stockheim ist immer für eine Überraschung gut. Auch heuer überzeugte der Klangkörper beim traditionellen Weihnachtskonzert in der Schulturnhalle mit einem hochkarätigen Programm - und dies bereits zum 45. Male. Und das ist absoluter Landkreisrekord. Damit haben die Knappen eine bemerkenswerte Kontinuität bewiesen.

Das Publikum weiß die Klasse dieser Kapelle zu schätzen. Die Schulturnhalle war daher mit 400 Besuchern aus nah und fern hervorragend gefüllt. Zudem konnten die Musikfreunde offensichtlich gar nicht genug bekommen von der Spezialität der Bergmannskapelle, nämlich hochwertiger konzertanter Blasmusik. Erst nach zwei Zugaben ließen die Zuhörer die 49 Musiker und ihren Dirigenten Michael Botlik von der Bühne der festlich geschmückten Schulturnhalle.

Harmonischer Klangkörper

Was sich schon im vergangenen Jahr angedeutet hatte und eigentlich von kaum jemandem bezweifelt wurde, das trat auch in diesem Jahr zu Tage: Michael Botlik hat die Bergmannskapelle zu einem harmonisch agierenden Klangkörper geformt und es verstanden, ihr seine eigene Prägung zu geben. In vielen Proben ist es dem Mann mit dem Taktstock wieder gelungen, seine Musiker für das mit hohem Aufwand verbundene Konzert zu motivieren und sie zu Höchstleistungen anzuspornen.

Umgekehrt scheint es den Musikern keine Schwierigkeiten zu bereiten, den hohen Ansprüchen des Dirigenten gerecht zu werden. Es war deutlich anzumerken, dass ihnen musikalische Herausforderungen Freude bereiten und sie dadurch zu Hochform auflaufen. Ohne Zweifel: Diese gelungene Mischung aus Gesamt- und Einzelleistungen garantierte einen Hochgenuss an erfrischend gespielter, konzertanter Blasmusik.

"Musik bewegt die Welt"

Dafür sorgte auch die Programmgestaltung, die Sandra Lauterbach-Renk - nun mittlerweile seit 26 Jahren - ausführlich erläuterte. Das diesjährige Motto des Konzerts lautete "Musik bewegt die Welt". Und vielversprechend begann der Abend mit dem beliebten Weihnachtslieder-Medley "The Spirit of Christmas" von Jacob de Haan. Diese ganz hervorragend abgestimmte musikalische Interpretation für die weihnachtliche Zeit erfreute ganz besonders. Vor allem wird damit das Wunder der heiligen Nacht symbolisch beschrieben. Anschließend starteten die Musikanten eine musikalische Weltreise, die es in sich hatte.

In "Pilatus: Mountain of Dragons" von Steven Reineke stand das Schweizer Bergmassiv Pilatus im Vordergrund, an dem Drachen ihr Unwesen treiben. Weiter ging es mit einer musikalischen Hommage an den US-Bundesstaat Virginia. Erinnert wurde an die Kolonialzeit. Auch in diesem Fall glänzte Jacob de Haan mit einer starken Komposition zum amerikanischen Bundesstaat.

Einer der Höhepunkte im ersten Teil war zweifelsohne die aufwühlende Intermezzo-Szene "Auf einem persischen Markt" von Albert W. Ketelbey. Danach folgte die schnelle Polka "Vergnügungszug" von Johann Strauß (Sohn) sowie der Marsch "In Treue fest" von Carl Teike im Arrangement von Ansgar Weißerth.

Nach der Pause startete die Kapelle furios mit "South Rampart Street Parade". Auch bei diesem Swing-Titel ist Musik aus verschiedenen Erdteilen eingebaut. Es folgte vielversprechend die lateinamerikanische Tanzmusik "Jungle Fantasy", die auch Afrika zum Inhalt hat. Ein weiterer musikalischer Hochgenuss war das Hit-Medley "Gloria Estafette" im Arrangement von Peter Kleine Schaars. Für Abwechslung sorgte schließlich der Marsch "76 Trombones" von Meredith Wilson, temperamentvoll zu Gehör gebracht.

Bei der Zugabe durften sich die Musikfreunde - sie dankten mit minutenlangen Ovationen - vor allem über die "Stockheimer Nationalhymne", den "Glückauf-Marsch", sowie über den Hit von Barry Ryan, und zwar "Eloise", freuen.

Bezirksvorsitzender und stellvertretender Präsident des Nordbayerischen Musikbundes, Thomas Kolb (Steinwiesen), zeigte sich von dem Dargebotenen beeindruckt. Bezirksdirigent Michael Botlik und seine Stockheimer Schützlinge hätten Großartiges geleistet. Das Konzert war ein wunderbares Weihnachtsgeschenk, so seine Bilanz.

Bürgermeister Rainer Detsch oblag es, der Kapelle für die großartige Leistung zu danken. "Dies war für alle wieder ein bezaubernder Abend", schwärmte das Gemeindeoberhaupt.

Am Rande ist festzuhalten, dass es der Bergmannskapelle um den Fortbestand nicht bange sein muss. Auch in diesem Jahr vermeldeten die Verantwortlichen stolz, dass Romina Heß (Querflöte), Tim Weißerth (Schlagzeug), Linn Beranek (Schlagzeug), Thomas Kestel (Schlagzeug) und Isabell Zipfel (Oboe) die Bergmannskapelle verstärkt haben.