Nicht in den Daten ihrer Landsleute natürlich. Ehrenwort! Das überlassen sie selbstredend den Schlapphüten ihrer Partnerländer. Um die Daten dann wechselseitig auszutauschen. Ausschließlich im Interesse der nationalen Sicherheit.

Unter dem Deckmantel der Terrorbekämpfung ist inzwischen ein Überwachungsapparat aufgebaut worden, der - nach Art der Stasi der DDR - jeden Bürger unter Generalverdacht stellt. Geheimdienste spähen nicht (mehr nur) gezielt Verdächtige aus. Sie ziehen prophylaktisch Daten aus den weltweiten Kommunikationsnetzen. Unter dem Vorwand von internationaler Freiheit und Sicherheit fordern die Regierungen Tribut von den Menschen: Sie spähen in die Privatsphäre selbst unbescholtener Bürger. Sie schränken die individuelle Freiheit und Sicherheit jedes Einzelnen ein. Sie schüchtern damit auch ein.

Yes, we scan! - Was "Big Brother" USA kann, stellt nach den neuesten Enthüllungen sein kleiner europäischer Bruder "Brit Brother" sogar noch in den Schatten. Reaktionen kleinerer Geschwister? - Die Bundeskanzlerin quittiert das US-Bespitzelungsprogramm Prism mit dem Merk(el)spruch, Internet sei für alle ja noch Neuland. Die Justizministerin fordert Aufklärung über die am Wochenende bekannt gewordene verdachtslose britische Datenschnüffelei. Ernst gemeinter Protest sieht anders aus: Botschafter einbestellen. Sanktionen androhen. EU-Recht einfordern. Konsequenzen ziehen. Nach der Charta der EU hat jeder Mensch ein Recht auf Achtung der Privats- und Familiensphäre, der Wohnung und der Kommunikation sowie auf den Schutz personenbezogener Daten.

Das Internet - ursprünglich vom Militär zum Kommunikationsaustausch entwickelt - wird zunehmend zum Spionageparadies gegen und zur Datenfalle für unbescholtene Bürger: George Orwell beschrieb bereits vor mehr als 60 Jahren in seinem Buch "1984" einen Überwachungsstaat. Eine solche Bedrohung der Menschen nimmt mit dem britischen Bespitzelungsprogramm "Tempora" noch schärfere Konturen an. O tempora, o mores - Was für Zeiten, was für Sitten!