Wieviel ist uns ein Staatsoberhaupt im Ruhestand wert? Dass ein Ex-Bundespräsident nicht von Sozialhilfe leben sollte, dürfte klar sein. Auch dass er nach seiner Amtszeit noch repräsentative Aufgaben übernimmt und dafür ein Büro finanziert bekommt. Im Vergleich zu den Milliardensummen, die im Staatshaushalt sonst bewegt werden, handelt es sich bei den Kosten um Peanuts.

Aber die absolute Höhe der Kosten ist nicht ausschlaggebend. Denn es verletzt das Gerechtigkeitsempfinden der Bevölkerung, wenn Arbeitnehmer, die jahrzehntelang in die Arbeitslosenversicherung eingezahlt haben, plötzlich von Hartz IV leben müssen, Christian Wulff aber für seinen Kurzzeit-Einsatz üppig alimentiert wird.

Sein Pech: Den Fall Wulff kann jeder nachvollziehen. Es geht um eine konkrete Person, um monatliche Zahlungen, die jeder mit seinem eigenen Gehalt vergleichen kann, um Dinge wie Dienstwagen und Chauffeur. Viel größere Ungerechtigkeiten bleiben dagegen abstrakt. Da geht es um anonyme Interessengruppen, um Milliardensummen jenseits der alltäglichen Vorstellungswelt. Hier Änderungen durchzusetzen, ist schwierig. Bei ein paar Ex-Präsidenten lässt sich Gerechtigkeit leichter herstellen, da kann man sich als Politiker besser profilieren. Wie gesagt, es geht um Peanuts. Aber Kleinvieh macht auch Mist.