In Syrien steht die US-Regierung (gemeinsam mit ihren - wie immer völlig uneinigen - westlichen Verbündeten) endgültig vor der Entscheidung, um die sie sich seit über zwei Jahren gedrückt hat. Entweder militärisch eingreifen, weil mit dem Giftgas-Massaker endgültig die selbst definierte "rote Linie" überschritten wurde. Das wäre um der Glaubwürdigkeit der eigenen Außenpolitik willen geboten. Andererseits sind die Folgen eines solchen An- und Eingriffs schlechterdings nicht kalkulierbar - die politischen noch weniger als die militärischen.

Die Alternative heißt, wie gehabt: wortreiches Nichtstun. So verständlich es ist, dass US-Präsident Obama seinem kriegsmüden Land einen weiteren Waffengang in Nahost ersparen will: Es gibt Situationen, in denen Regierungen sich auch durch Nichtstun schuldig machen. Ruanda und Srebrenica sind zwei schreckliche Beispiele aus der jüngeren Geschichte. Wegschauen jedenfalls geht im syrischen Drama nicht mehr.

Was aus moralischer Sicht geboten wäre, ist klar. Was ganz praktisch getan werden kann, leider nicht. Obamas Optionen werden sich danach richten, wie sich - ganz realpolitisch - die Risiken minimieren lassen. Nur zählt zu den Risiken auch die Glaubwürdigkeit der eigenen Außenpolitik. Wenn also erwiesen sein sollte, dass die "rote Linie" überschritten wurde, wird er handeln müssen. Sonst macht er sich gegenüber Regimes wie Iran oder Nordkorea selbst zur "lahmen Ente".