O bamas Absage des Treffens mit Putin vor dem G-20-Gipfel in Moskau ist ein Paukenschlag, der vor allem in den USA selbst gehört werden soll. Als Reaktion auf die schrillen Töne im Land im Fall Snowden muss er Stärke demonstrieren. Andererseits darf Obama die Beziehungen zu Russland nicht wirklich beschädigen, weshalb er auch zum G-20-Gipfel reist. Denn Putin sitzt am längeren Hebel. Bei der Versorgung der Truppen in Afghanistan und erst recht beim geplanten Abzug auf dem Landweg, ist die Nato auf das Wohlwollen Russlands angewiesen. Das gleiche gilt in Fernost für die amerikanische Eindämmungspolitik gegenüber China. Und es gilt erst recht für den US-Krieg gegen den islamistischen Terror, dessen Kader sich vermehrt aus Tschetschenien und Dagestan rekrutieren, sowie für Iran und Syrien.

Für Putin ist der Fall Snowden nur eine willkommene Gelegenheit, die USA vorzuführen und so innenpolitisch Punkte zu sammeln, ohne dass ernsthafte Konsequenzen drohen. Ein großer Teil der Medien und der politischen Klasse in den USA sieht dagegen durch Snowden tatsächlich die nationale Sicherheit bedroht. Für sie ist der Fall blutiger Ernst. Obama kommt also um eine Reaktion nicht herum. Aus der Zwickmühle zwischen Realpolitik und Emotionen hilft ihm da, was die Amerikaner gern mögen: eine große Show.