Als die schwarz-gelbe Regierungskoalition die Punktekartei in Peter Ramsauers Werkstatt schob, war der Reparaturauftrag klar: Gerechter und transparenter sollte sie werden. Und so wurde lange getüftelt und geschraubt an dem 40 Jahre alten System, sogar über einen Chefwechsel im Verkehrsministerium hinweg. Doch das schadet dem Ergebnis nicht. Bei kleinen Verstößen ist das Kraftfahrt-Bundesamt künftig gerne mal toleranter, auch wenn die Geldstrafe dafür vielleicht etwas höher ausfällt. Bei notorischen Verkehrssündern hingegen kennt es weniger Gnade, sieht sogar bei schon verhältnismäßig wenigen acht Punkten die Grenze überschritten. Das alles im Einzelfall mit bis zu drei statt sieben Punkten geahndet. Kurzum: Auftrag ausgeführt.

Und trotzdem ist die Diskussion groß. Wie immer, wenn es ums Auto geht. Denn irgendwie sind wir doch ein Volk von Autofahrern. Und es liegt eben auch in der Natur des Viel- oder Wenigfahrers, Langstreckengleiters oder Stadtzucklers, dass er zu hohe Geschwindigkeit, Drängeln oder Falschparken ganz individuell einordnet in seinen Katalog der Missgunst.

Angst, vom neuen Punktekatalog schlechter behandelt zu werden, muss aber auch weiterhin nur eine Spezies Autofahrer haben: diejenige, der Flensburg eh schon weniger als nördlichste kreisfreie Stadt Deutschlands sehr gut bekannt ist. Mag sein, dass sich das Verkehrsministerium bei der Reform als harter Hund erwiesen hat. Aber als einer mit Händchen. Ob ein nur alle fünf Jahre möglicher freiwilliger Punkteabbau oder die auf bis zu zehn Jahre verlängerte Tilgungsfrist: Das alles dürfte einem notorischen Raser und Drängler Angst machen. Umgekehrt aber dürfte es Verkehrsteilnehmern, die sich nach bestem Wissen und Gewissen im Straßenverkehr einordnen, herzlich egal sein.