Wer hierzulande mit einem Mundschutz durch die Gegend läuft, wird als Spinner belächelt. Selbst heute ist das noch so, am 26. März 2020 (dem Tag der Erstellung dieses Kommentars), die Coronavirus-Karte der Johns-Hopkins-University zeigt um 10:27 Uhr 472.790 gemeldete Infektionen weltweit, 37.323 davon in Deutschland, dazu 206 Todesfälle hierzulande. "Mundschutz bringt doch gar nichts!", das hört man seit Beginn der Krise an jeder Ecke. Kein Wunder, so wurde uns das von unseren führenden Experten gesagt, vor gar nicht allzu langer Zeit, Ende Januar, Anfang Februar, als die ersten angefangen haben, sich Sorgen zu machen wegen einer neuen seltsamen Lungenkrankheit, die in China um sich griff.

"Mundschutz bringt doch gar nichts!", das wurde uns von den Virologen und sonstigen Experten dieses Landes geradezu eingeimpft, Tag für Tag, wer einen Mundschutz kauft, agiere doch eher übertrieben, irrational gar. Damit könne man sich nicht schützen. Der am häufigsten nachgefragte chirurgische Mund- und Nasenschutz diene nur dazu, Tröpfchen drin zu halten. Will heißen, zu vermeiden, dass der Chirurg in die offene Bauchhöhle hustet. Aber eine Infektion damit verhindern? Nein, also wirklich nicht, das sei ja geradezu absurd, diese Masken seien so gut wie nutzlos.

"Masken können andere schützen"

Gerade ändert sich dieses Mantra. Christian Drosten, Deutschlands führender Virologe und Inbegriff der bundesdeutschen Expertise zum Thema Coronavirus, äußerte in seinem gleichnamigen NDR-Podcast vom 24. März 2020 die These, "Masken können andere schützen". Aha, interessant. Nun muss man festhalten, dass Drosten schon immer sagte, Masken böten nur dann einen Schutz, wenn ein Infizierter sie trage, nicht andersherum. Also: Um die Tröpfchen drin zu halten. Bis vor kurzem wurde das aber kommuniziert als: "Mundschutz bringt doch gar nichts!". Nicht explizit und in dieser Form von Herrn Drosten, aber das war der allgemeine Konsens.

 

Warum wurde das der Bevölkerung so kommuniziert? War das die ehrliche Auffassung unserer führenden Experten in Sachen Infektionskrankheiten? Oder gab es dafür andere Gründe? Möglicherweise war schon damals klar, dass die bundesweit vorrätigen Atemschutzmasken nicht einmal annähernd ausreichen würden?

Kommt die Mundschutz-Pflicht?

Das alte Mantra "Mundschutz bringt doch gar nichts!" scheint jedenfalls ausgedient zu haben. Wir erleben den schleichenden Übergang zu "Mundschutz hilft!", getragen vom neuen Slogan "Masken können andere schützen". Wer weiß, vielleicht gibt es in ein oder zwei Monaten sogar eine temporäre Mundschutz-Pflicht in der Öffentlichkeit? Ich weiß: Wer hierzulande mit einem Mundschutz durch die Gegend läuft, wird als Spinner belächelt. Ich traue mich auch nicht damit raus, geschweige denn in den Supermarkt. Noch ist das so. Auch wenn sich Chinas Bürger angesichts der hierzulande noch immer vorherrschenden mundschutzfreien Sorglosigkeit entsetzt zeigen. Es wird sich ändern, bald. Weil es sich ändern muss.

Wenn jeder Mundschutz trägt, ist allen geholfen

"Mundschutz bringt doch gar nichts!" ist ein dummer Spruch, den fast alle, die sich bezüglich der Corona-Krise für halbwegs belesen hielten, dumpf nachgeplappert haben. Ich behaupte: Wenn jeder ab sofort auch im öffentlichen Raum, beim Einkaufen und Spazierengehen, einen Mundschutz trüge, könnten wir Infektionsketten durchbrechen und die Ausbreitung des Coronavirus entscheidend eindämmen. Selbst, wenn die Masken nur die eigenen Tröpfchen drin halten. Solange niemand weiß, ob er möglicherweise schon infiziert ist, ist das der einzig vernünftige Weg. Wenn jeder seine Tröpfchen einfach mal eine Zeit lang für sich behielte, wäre das ein vielleicht entscheidender Schritt nach vorn.

Hinzu kommt, sozusagen als positiver Nebeneffekt, dass das Risiko einer Schmierinfektion durch das Tragen eines Mundschutzes deutlich verringert wird. Ganz einfach, weil man sich nicht mehr so häufig ins Gesicht fasst. Die dreckigen Hände werden gestoppt, bevor sie Mund und Nase erreichen.

Deshalb gibt es nur eine Option für alle. Mundschutz tragen, jetzt!

Es ist ja nicht für immer.

Tipp: Alle Informationen zur Ausbreitung des Coronavirus in Franken, Deutschland und der Welt finden Sie in unserem ständig aktualisierten Newsticker.

Hinweis: Es handelt sich um einen Kommentar. Ein Kommentar spiegelt immer eine Einzelmeinung wieder, nicht notwendigerweise die Meinung der gesamten Redaktion.