Das Trauerspiel um die linken Machtgelüste in Thüringen hat seinen Höhepunkt erreicht: Bodo Ramelow ist im Amt - Ministerpräsident - Ziel erreicht. Also abhaken? Oder war da noch was?

Ach ja: Tags zuvor haben Menschen in Erfurt demonstriert. An das DDR-Regime erinnert, an seine Verbrechen, die auch im Namen der Linken-Vorpartei SED verübt worden waren. 25 Jahre nach dem Fall der Mauer tritt deren Erbengeneration also an, um erneut aus der ersten Reihe die Geschicke eines Landes, wenn auch "nur" eines Bundeslandes, zu bestimmen. Ist das geschichtsvergessen? Ja. Mehr noch. Es ist unanständig. Denn Ramelow, der Wackelkandidat von einer Stimme Mehrheit Gnaden, hat sich nur mit Mühe in den Regentensessel hieven können. Zunächst über eine abenteuerliche Koalition der Thüringer Wahlverlierer. Und schließlich über ein Ticket 2. Klasse, da es im ersten Wahlgang ja nicht gereicht hatte.

Nun ist Ramelow so eine Art Wessi-Ossi, der den "real existierenden Sozialismus" im Osten allenfalls als Beobachter von der bequemen Fensterbank der alten Bundesrepublik in Augenschein nehmen durfte. Vom tatsächlichen Leben in der DDR hat er nur die Nachwende-Nachwehen erlebt. Dies aber bereits im Bunde mit teils problematischen Mitgenossen rein ostdeutscher Couleur. Für sie mimte Ramelow den Scharfmacher, den roten Hasardeur, der voll Ingrimm das SED-PDS-Linke-Wechselspiel in der Thüringer Landespolitik betrieb. Und das mit Machtbewusstsein; nein, man möchte sogar sagen, mit einem ausgeprägten Machtkomplex.

Dass genau dieser Typ Politiker nunmehr in die Fußstapfen eines Bernhard Vogel treten möchte (von Christine Lieberknecht schweigen wir hier lieber), ist eine Farce. Bodo, der gütige Landesvater? Man möchte lachen, wenn es nicht so traurig wäre.

Thüringen hat Ramelow nur eines gebracht: bundesweite Aufmerksamkeit. Dieses Verdienst bleibt, des Preises wegen, ein höchst zweifelhaftes. Nun wird er also mit seiner rot-rot-grünen Mangeltruppe in Erfurt regieren. Und immer peinlich darauf achten, Abstimmung für Abstimmung den Kopf über Wasser zu halten. Ergo:Verschenkte Jahre für Thüringen stehen ins Haus!