Laden...
Berlin
Meinung

Kommentar: Warum die Corona-Maske kein Maulkorb ist

Ein Kommentar von Elias Max Josef Gruber
Unser Kommentator findet, dass die Corona-Maske eigentlich doch nicht so schlimm ist, wie man denkt. Für ihn hat die Maskenpflicht nichts mit einer Beschneidung der Grundrechte zu tun: Sie ist trotz des Hasses, den sie auf sich zieht, eine sinnvolle und erträgliche Schutzmaßnahme.
 
Der Fressknebel 2020: Feindbild Maske. Symbolfoto: Juraj Varga/pixabay.com

Das Jahr 2020 ist nicht nur für die Wirtschaft und für das Gesundheitssystem eine Herausforderung, sondern auch für den Verstand. Denn, wenn man die Kommentare und Meinungen vieler Menschen unter diversen Facebook-Posts liest, wird einem klar, dass der Kampf gegen die Desinformation, längere Zeit in Anspruch nehmen wird, als der gegen die Pandemie

Vielleicht ist das mittlerweile auch einfach Tradition: Das Meckern oder das Um-sich-werfen mit nicht wissenschaftlich fundierten Aussagen. Dabei spielt es gar keine Rolle mehr, was in Berlin beschlossen wird, die Kommentarsektion formiert sich immer gleich: Mit Großbuchstaben geschriebene kurze kritische Aussagen, die Eindruck machen sollen. Mit dabei der neue Trend und damit auch das neue angebliche Feindsymbol der freiheitlich demokratischen Grundordnung: Die Corona-Maske oder umgangssprachlich, man halte sich fest, der MAULKORB

Die Maske ist nicht so schlecht, wie man denkt 

Die Corona-Maske ist derzeit das verhassteste Thema vieler Kommentatoren. Hinter der Maskenpflicht wird keine Schutzmaßnahme, sondern ein Boykott der Regierung und der bösen Politiker, vermutet. Diese würden alles versuchen, den Menschen die Grundrechte zu entziehen und sich selbst zu bereichern. Im Dunkeln hauen die sogenannten "Erwachten" ihre Parolen in die Tasten und versuchen die Kommentarsektionen für sich zu gewinnen. 

Bei der "Corona-App" war der Aufschrei ebenfalls groß. Auch hier haben die fleißigen Kommentatoren ihre langersehnte Sternstunde gesehen. In diversen Foren und unter Facebook-Posts wurde ständig versucht auf ein mögliches Datenleck aufmerksam zu machen.  Allein, dass sich jemand in Facebook - wohlgemerkt einem Social-Media-Netzwerk - darüber auslässt, dass er Angst hat,  seine Daten könnten missbraucht werden, ist sehr fragwürdig.

Apropos fragwürdig: Bei den Maskengegnern wird man, was das angeht, auf eine wahre Goldader fragwürdiger Aussagen stoßen.  Der Maulkorb ist nämlich nicht nur Godzilla für die Grundrechte. Nein, es geht sogar noch besser: Neuerdings meinen viele Kommentatoren zu wissen, dass Masken auch noch ein Gesundheitsrisiko sind, sprich, dass sie nicht gegen Corona schützen, sondern - ja, das ist wirklich deren Meinung - die Lunge dauerhaft schädigen.  Zwischendurch wird sich schnell eine Zigarette angezündet und dann weiter kommentiert.  Bemerkenswert ist vor diesem Hintergrund, dass laut einer Studie internationaler Wissenschaftler Corona-Fake-News Hunderten Menschen das Leben kosteten (siehe Update vom 11.08.2020, 12.032 Uhr).

Das Misstrauen nimmt zu und macht Aufklärung schwierig

Auch das allgemeine Misstrauen der Regierung gegenüber wird immer größer. Denn, obwohl es eigentlich keinen stichhaltigen Grund dafür gibt, vermuten viele hinter der ganzen Pandemie immer noch einen riesigen Schwindel.

  • "Corona gibt es nicht. Die Maske ist deswegen nicht nötig und von der Regierung nur eingeführt worden, um langsam aber sicher der Diktatur einzuleiten. Die wollen sich alle nur bereichern. "

Jedem Science-Fiction-Autor würde hier das Herz aufgehen. Denn die Theorien werden immer waghalsiger. Davon nicht ausgenommen - na klar, wer hätte es gedacht - die Medien.

Denn den Medien sei grundsätzlich nicht zu trauen. Sie seien nur Sprachrohr der Politik und sowieso von vorne bis hinten manipuliert. Was denn auch sonst?

Man mag ja verstehen, dass ein Verschwörungstheoretiker jegliche Fakten immer wieder ablehnen kann, indem er behauptet, sie seien manipuliert. Dennoch sollte ihm klar sein, dass das kein sinnvoller Austausch von Information ist

Die Realität sieht nun mal anders aus: Wenn es viele auch wie ein Vorschlaghammer treffen mag, muss nicht immer hinter allem gleich eine Verschwörung liegen. Die deutsche Bundesregierung plant keine Abschaffung der Grundgesetze, keine Entmündigung des Volkes und auch keine Machtmanifestierung.  Manche Dinge sind eben nicht so kompliziert, wie man denkt. Außergewöhnliche Umstände benötigen nun mal außergewöhnliche Maßnahmen. Und neben der Tatsache, dass sich alle immer nur bei den Politikern beschweren, sollte man sich klarmachen, dass Deutschland im internationalen Vergleich mit einer nie zuvor da gewesenen Situation vorbildlich umgegangen ist. 

Misstrauen ist nicht automatisch schlecht, kann aber zu Realitätsverlust führen

Viele scheinen trotzdem überhaupt nicht verstanden zu haben, warum sie eine Maske tragen sollen.

  • "Die Viren kommen ja sowieso durch."

Ja genau, es geht dabei aber nicht nur um Viren.  Zumindest nicht hauptsächlich. Und falls es wirklich noch Menschen gibt, die das nicht verstanden haben, noch einmal: Corona überträgt sich durch Tröpfcheninfektion. Somit auch durch Speichel. Der Mensch spuckt bei jedem Wort, dass er spricht, bei jedem Husten oder Atemzug mit offenem Mund. Deswegen klipp und klar: Mundschutz - denn wer nicht spuckt, der nicht infiziert! Hinter dem Mundschutz verbirgt sich somit kein Komplott, sondern einfach eine Präventivmaßnahme um das Infektionsrisiko einzudämmen.

Selbst wenn es nervig ist eine Maske über Stunden zu tragen, ist es nun mal einfach notwendig.  Aber anstatt zu meckern und sich dauernd nur zu beklagen, wäre es am klügsten, die Dinge einfach so zu akzeptieren wie sie sind - und nur so nebenbei, für alle die immer noch Angst um ihre Gesundheit haben: Chirurgen und Ärzte tragen auch über die mehrere Stunden Masken - ohne zu jammern. 

Hinweis: Es handelt sich beim vorliegenden Beitrag um einen Kommentar. Ein Kommentar spiegelt immer eine Einzelmeinung wider - nicht notwendigerweise die Meinung der gesamten Redaktion.