Der Katastrophenfall ist beendet, Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) und Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD) waren zu Besuch und nun beginnt das Aufräumen. Bayern wurde von den schweren Unwettern zwar nicht so massiv getroffen wie beispielsweise Nordrhein-Westfalen oder Rheinland-Pfalz, die Wassermassen malen für die Zukunft trotzdem ein düsteres Bild. Der Staat sollte die Bevölkerung besser für Umweltkatastrophen wappnen.

In Deutschland wird gerne und bei jeder Gelegenheit über das Wetter geredet. So oft wie das Thema besprochen wird, sollte man meinen, es ist keine Überraschung mehr, dass es so etwas wie extreme Wetterlagen und darauf folgende Umweltkatastrophen gibt. Die Existenz dieser Phänomene wird dennoch eher klein geredet, nach dem Motto: „Sowas passiert doch nicht hier bei uns!“ Die gleichgültige Einstellung kommt gerade dann gerne auf, wenn die letzte Katastrophe einige Zeit her ist. 

Deutschland ist längst Risikogebiet

Dabei sollte man sich gerade in Deutschland nicht zu sehr in Sicherheit wiegen. Das Elbhochwasser (2006), Oderhochwasser (2010), Hochwasser im Harz und Harzvorland (2017), sowie Hochwasserlagen in großen Teilen Mitteleuropas (z. B. 2013) sind keine Einzelfälle. Im Klima-Risiko-Index stand Deutschland 2018 im weltweiten Vergleich auf Platz 3 der am stärksten von extremen Wettern als Auswirkungen des Klimawandels getroffenen Ländern. Über den kompletten Zeitraum 2000 bis 2019 auf Platz 18.

Welche Auswirkungen Starkregen auf die Bevölkerung und Infrastruktur hat, hat das jüngste Hochwasser in großen Teilen Nordrhein-Westfalens und Rheinland-Pfalz eindrucksvoll gezeigt. Alleine der Kreis Ahrweiler in Rheinland-Pfalz zählt aktuell 122 Tote, während 155 Menschen als vermisst gelten. In Nordrhein-Westfalen sind es derzeit 48 Tote. Bis zu 30.000 Menschen sind seit Tagen ohne Strom

In Bayern traf es vor allem das Berchtesgadener Land: Zwei Menschen kamen hier ums Leben, viele Häuser mussten geräumt werden, Schulen und Kitas hatten tagelang geschlossen. Grade in den Alpen und dem Alpenvorland gab es etliche Hangrutsche - es könnten noch mehr werden. Durch die bewegten Schlamm- und Geröllmassen sind Straßen, Wege und Gleise bedroht. Im hochwassererprobten Passau hielt sich das Wasser diesmal zurück. In der Drei-Flüsse-Stadt wurde mit Meldestufe 3 nicht die höchste der Warnstufen erreicht. Die Donau blieb unter ihrem Rekord-Pegel.

Wahlkampf in der Katastrophenregion

Die betroffenen Katastrophengebiete sind mittlerweile ein gefundenes Fressen für zahlreiche Politiker*innen. Neben Armin Laschet (CDU) nutzten zahlreiche andere einen Besuch vor Ort als medienwirksamen Auftritt vor der Bundestagswahl. In Bayern gaben sich unter anderem Markus Söder (CSU) und Olaf Scholz (SPD) die Ehre. Alle versprachen baldige Hilfe für die Betroffenen und eine Aufarbeitung der Geschehnisse.

Dabei hatten sowohl Laschet als Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, als auch Markus Söder (damals noch als Finanzminister von Bayern) die Hilfen und die Unterstützung für Opfer von Umweltkatastrophen gekürzt. Die Hilfeleistungen müssen nun erst wieder neu zusammengesetzt und verhandelt werden. Bestehende Strukturen sucht man vergebens.

Wie Markus Söder im Frühjahr 2017 sagte: Der Staat ist kein "Ersatzversicherer". Zuvor, im Sommer 2016, gab es eine Flut im Landkreis Rottal-Inn. Sieben Menschen waren damals gestorben, alleine in Simbach am Inn wurden rund 500 Häuser zerstört. Der Schaden belief sich damals auf mehr als eine Milliarde Euro. Nun, im Juli 2021, soll der Staat laut Söder jedoch wieder "schnell helfen".

Ein klarer Plan für zukünftige Katastrophen

Diese Unzuverlässigkeit und wankelmütigen Aussagen sind genau das, was die Menschen in den vom Hochwasser gefährdeten Gebieten am wenigsten gebrauchen können. In Zeiten der Krise brauchen die Menschen einen Ruhepol und Sicherheit und keine Debatte darüber, wo man jetzt mit der Hilfe anfängt und woher das Geld kommen soll. Politiker, die in einer solchen Situation von einer "Überraschung" sprechen, sind hier fehl am Platz.

Extremes Wetter und Umweltkatastrophen werden in den nächsten Jahren zunehmen. Die Bevölkerung muss effizienter vor möglichen Katastrophen gewarnt werden und sich besser darauf vorbereiten können. Gleichzeitig müssen die Menschen vor den Folgen geschützt werden. Ein kontinuierlicher Katastrophenschutz muss her, denn sprunghaftes Handeln und medienwirksame Fotos nützen im Notfall niemandem.