Sie alle strömen in die Kleinstadt in der Hoffnung auf nichts Geringeres als eine Sensation: dass Peggy gefunden wird. Die Süddeutsche Zeitung hat in diesem Zusammenhang mal von einem Stigma geschrieben: Lichtenberg sei nicht mehr die Stadt mit der Ritterburg, sondern nur noch der Ort, an dem ein Mädchen vor zwölf Jahren verschwand.

Ähnliche Zwangsassoziationen teilt der 1400-Seelen-Ort mit Städten wie Gladbeck, wo sich das vielleicht grausigste Geiseldrama der Nachkriegszeit abspielte (mit den Medien in einer abscheulichen Rolle).

Insofern verständlich ist der Ruf nicht zuletzt von Bürgermeisterin Elke Beyer, es möge endlich wieder Ruhe einkehren. Aber wäre das nicht eine trügerische? Eine, vermengt mit dem nagenden Zweifel, ein Unschuldiger könnte für einen Mord büßen, den er nicht begangen hat? Noch dazu ein Mord ohne Leiche.

Insofern hinkt der Vergleich eines Lichtenbergers, der die Suche nach Peggy gleichsetzte mit der Suche nach dem Bernsteinzimmer. Das Kunstobjekt gewinnt ja eher noch an Faszination, so lange es nicht gefunden, aber fast überall vermutet werden darf. Im Fall der Neunjährigen geht es um keine Schatzsuche, sondern um Wahrheitsfindung. Und um Schicksale. Das der Vermissten. Das des verurteilten Ulvi K. Das der Familie des Mädchens, die seit zwölf Jahren Antworten will. Antworten, keine falsche Ruhe.