Wenn Stephen Lund malt, macht er sich nicht die Finger schmutzig. Er plant sorgfältig seine Bilder auf dem Stadtplan, jagt dann seinen Drahtesel durch kerzengerade oder fein geschwungene kanadische Straßen, zeichnet dabei das GPS-Signal auf und präsentiert anschließend die abgefahrene Strecke als digitales Kartenkunstwerk.
Nun soll keiner sagen, der Mann mache es sich allzu leicht. Allein 14 Stunden und 212 Kilometer war er unterwegs, um seine Meerjungfrau abzuradeln. Und wenn er mal falsch abgebogen war, musste er sein Kunstwerk von vorne beginnen. Was nun den künstlerischen Wert dieser verblüffenden Skizzen angeht, haben wir es hier wohl nicht mit einem neuen Picasso zu tun. Nichtsdestotrotz hat da einer etwas Neues geschaffen, zumindest, was die Dimension angeht. Bisherige GPS-Künstler hatten sich auf kleinteiliges Gekritzel und albern-peinliche Genitalienumrisse beschränkt.
Sein wahres Künstlertum könnte Stephen Lund an fein gewundenen fränkischen Gässchen beweisen, die nicht ganz so symmetrisch angeordnet sind wie amerikanische Straßen. Aber im Idealfall führen sie ihn zu Bierkellern und Weinbergen - was dem Kanadier wiederum ein Stück Lebens-Kunst näherbrächte.