Es gibt unendlich viele Stellschrauben, an denen immer wieder gedreht werden muss. Die Energiewende ist ein dynamischer Prozess.

Deswegen darf man getrost über alle Meinungsäußerungen von "Experten" hinwegsehen, die so tun, als hätten sie ein Patentrezept für die Energiewende. Und man darf mit großer Skepsis all die scheinbar unbestechlichen Zahlen hinterfragen, die zur Untermauerung der jeweiligen Standpunkte durch den Raum schwirren. Energie folgt dann am Ende doch simplen Gesetzen, etwa der Physik. Davon zumindest sollte man ansatzweise etwas verstehen, wenn man über das Thema redet.

Und an diesem Punkt macht die an sich wichtige und richtige Debatte über die Energiewende Angst. Bayern produziert nicht alleine Unfug, aber der Freistaat ist mächtig und kann mit seinen Querschüssen das ganze Projekt zum Scheitern bringen. Keine Windkraft, keine neuen Stromleitungen ... Bayerische Sonderwege mögen bei der Bildung noch angehen, die Energieversorgung von 85 Millionen Menschen und der Industrie, die sie versorgt, ist aber keine folkloristische Gaudi.

Wer wie Horst Seehofer den Bau neuer Stromtrassen ablehnt, weil er keinen "Kohlestrom" haben will, untergräbt mit plumpen Parolen das Fundament des ganzen Gebäudes. Wer seine Stromabrechnung lesen kann, sieht, dass heute bei vielen Versorgern etwa ein Drittel des "bayerischen" Stroms aus Kohlekraftwerken irgendwo im Bundesgebiet kommt. Bei der Energie muss man vernetzt denken, in großen Zusammenhängen und nicht kleinklein. Ein "Basta" aus Berlin ist längst überfällig.