Nach dem Weltuntergang ist vor dem Weltuntergang. Die Lust an der Apokalypse scheint besonders in Deutschland weit verbreitet zu sein. Kaum war das Geraune ohne Sinn und Verstand um den Maya-Kalender ausgestanden, dräute ein neues Verderben: Die USA drohten über eine sogenannte Fiskalklippe hinabzustürzen. Und nicht nur die USA, denn wenn sich die wie in einem Italowestern-Showdown gegenüberstehenden Feinde Demokraten und Republikaner nicht geeinigt hätten, wären in den Vereinigten Staaten Steuern drastisch erhöht und Ausgaben gekürzt worden. Mit ernsten Konsequenzen für die gesamte Weltwirtschaft: Rezession, Arbeitslosigkeit, Untergang. Mindestens.

So jedenfalls das Narrativ, wieder mal in allen Medien. Gezwungen wurde diese Story in eine Spannungsdramaturgie, die ganz auf Ultimatum und letzte Sekunde hinauslief. So wie in Dutzenden von Thrillern eine Uhr an der Bombe läuft, die vom Helden erst kurz vor dem großen Knall gestoppt werden kann. Aus dem sterbenslangweiligen US-Haushaltsrecht schlagen Journalisten auch noch den letzten Funken.

Das wäre komisch, wenn es nicht symptomatisch für den Betrieb wäre. Die Medienredundanz ist mittlerweile so erdrückend, die Konkurrenz so groß, dass noch die letzte Mattheit dramatisiert werden muss. Auch, weil der Trend zum Boulevard eine Sturzflut geworden ist, unter der selbst vormals seriöse Medien zu ersticken drohen.

"Infotainment" heißt die unselige Methode. Man könnte die austauschbaren Sprechpuppen (wieso sehen die eigentlich alle gleich aus? Geklont?) mit den Köpfen zusammenstoßen, wenn sie wieder mal das Weltgeschehen mit süffisantem Lächeln und einem Bonmot auf den Lippen zu konsumierbaren Häppchen herunterbrechen.

Bloß nicht langweilen, bloß kein Fitzelchen Anstrengung vom Konsumenten erwarten. Der könnte ja wegzappen, weiterblättern oder gleich ins Netz gehen, jenem knallbunten Jahrmarkt voll billiger Sensationen. Da geht's immer gleich um den Untergang. Ein Phänomen wie den Klimawandel rational anzugehen, scheint da unmöglich. Wahre Tragödien wie die Kriege im Kongo mit Millionen Toten tauchen kaum auf. Ist auch nicht der Weltuntergang, sind nur Afrikaner, die elend sterben.