Lohr kommt so harmlos daher. Es vermarktet sich als Schneewittchenstadt, gibt eine Schneewittchenfigur in Auftrag - und berührt damit unverhofft Grundfragen des menschlichen Seins. Was ist Kunst, was ist Schönheit? "Spieglein,Spieglein an der Wand, wer ist die Schönste im ganzen Land?" So eindeutig wie im Märchen ist das im richtigen Leben nicht. Und hinterrücks zeigt sich der Weltgeist im tiefsten Spessart: Da entfaltet die Kunst ihre subversive Seite und es werden Fragen gestellt: Wer bestimmt, was schön ist? Ist das Kunst oder kann das weg? Wie ist das mit der Kunst und ihrer kommerziellen Verwertbarkeit? Ernst Bloch und Theodor W. Adorno hätten ihre Freude an den Lohrern gehabt. Ob das Lohrer Schneewittchen den Betrachter in grauen Stunden in eine bessere Welt entrückt, bleibt allerdings abzuwarten. Und auch der SPD-Ortsverein Leverkusen-Alkenrath kann den Lohrern kein Vorbild sein. Denn im Gegensatz zur Badewanne von Joseph Beuys taugt Lohrs Schneewittchen nicht zum Gläser spülen, auch wenn man es noch so schrubbt.