Wann ist ein Mann heute noch ein Mann? Gute Frage. Denn Mannsein hat inzwischen so viele Facetten, wird so durchdringend hinterfragt, dass die Einsatzgebiete nicht mehr zu überblicken sind.

Dabei ist der starke Mann noch immer gefragt, der empathische Mann sowieso; natürlich auch der Mann als Ver- und Umsorger, der Sportliche, der Gesellige, der Handwerker, der Koch - und natürlich, allen voran, der Vater! Darum gibt es ja auch immer mehr Männer, die ihre Elternzeit nutzen, sich später ehrenamtlich engagieren für den Kindergarten, die Schule, das gesamte Umfeld der Kleinen. Anerkennung sei ihnen gewiss!

Doch Hand aufs Herz: Die idealisierte Betrachtung dieser neuen Männerwelt hat ihre Schattenseiten. Im Job zum Beispiel hat sich so viel nicht geändert. Vordergründig ist der Beifall für das familiensensitive Tun der Vorzeigeväter groß. Insgeheim freuen sich aber die kinderlosen (männlichen) Kollegen über die Auszeiten und nutzen sie karrierewirksam. Und reißen in trauter, vaterloser Männerrunde über die Daheimbleiber ihre Witze.

Ein weiterer Teil der Wahrheit ist auch, dass die neuen Väterfreuden noch immer durch die schlichte Einkommensverteilung in den Familien getrübt werden. Heißt: Die Elternzeit muss man(n) sich auch leisten können.
Und so sehr frau sich mitunter über die neuen Nöte der Männer mokieren mag, weil sie sich und die Familie schon immer durch ein Spannungsfeld vielfacher Herausforderungen navigieren musste, so ist es doch gewagt, den Mann bereits aufs Abstellgleis der Menschheitsgeschichte schicken zu wollen.

Die Neuverteilung der Rollen zwischen den Geschlechtern braucht vielmehr eine zeitgemäße Ausleitung. Denn die wichtigen Antworten, die einst die Frauenbewegung parat hatte, helfen heute nicht mehr. Ein sich zerreibender Mann zwischen allen Fronten nützt weder den betroffenen Familien, noch dem Arbeitgeber, noch der Gesellschaft insgesamt.

Häme ist also genauso wenig hilfreich wie Mitleid. Männer sollen auch in Zukunft Männer sein dürfen, mit Herz und Verstand, im Job, als Vater, als Ehemann. Dafür braucht es Leitplanken, die es neu zu verhandeln gilt. Auch im Verhältnis zwischen Mann und Frau.