Es gibt Film-Momente, in denen vernünftige Menschen nicht blind Anordnungen folgen können. Für Edward Snowden war irgendwann in den vergangenen Wochen, vielleicht auch Monaten, ein Punkt erreicht, an dem er nicht mehr einfach weiterarbeiten konnte. Offenbar war für ihn das Ausmaß der NSA-Spionage so ungeheuerlich, dass er mit diesem Wissen an die Öffentlichkeit gehen musste. Wohlwissend, dass sich mit dieser Entscheidung sein bisheriges Leben vollkommen verändern würde. Und dass er sich mit der Supermacht USA anlegen würde.


Für sein Heimatland ist er ein Verbrecher


Diese Entscheidung verdient Respekt, weil Snowden offensichtlich keinerlei Profit daraus zieht. Dass Russland ihm jetzt Asyl gewährt, ändert nichts daran, dass der Ex-Geheimdienstler in seinem Heimatland als Verbrecher gilt, den staatliche Stellen am liebsten mundtot machen möchten. Mindestens.


Die Realität ist kein Film


Und das alles nur, weil er von seinem Recht auf freie Meinungsäußerung Gebrauch machte, die Öffentlichkeit auf Missstände hingewiesen hat und letztlich die Privatsphäre jedes einzelnen verteidigt hat. Dass sich ausgerechnet Russland als Hort der Demokratie geriert, wäre ein wunderbarer Gag für einen Science-Fiction-Film, in dem sich die Kräfte von Gut und Böse mit geheimnisvoller Technik bekämpfen. Doch was wir gerade erleben, ist eine Realität, in der der beendet geglaubte Kalte Krieg wieder angeheizt wird. Edward Snowden wird es schwer haben, wieder ein normales Leben zu führen, solange ihn die USA als Verräter ansehen. Denn Menschen, die ihrem Gewissen folgen, hehre Grundsatzreden halten und als Helden gefeiert werden, gibt es nur im Film.