Es ist müßig angesichts der Vorgänge um ein an Banalität nicht zu übertreffendes Ereignis, das allein in diesem Jahr auf dieser Welt bereits circa 75 Millionen Mal stattgefunden hat, schweres intellektuelles Geschütz aufzufahren. Mit Kategorien von Freud ("Ich-Schwäche") oder Adorno ("Zu den stumpfsinnigen Leistungen, welche die herrschaftliche Kultur von den Unterklassen verlangt, werden diese fähig allein durch permanente Regression") der Tatsache gerecht werden, dass ein jung verheiratetes Paar das getan hat, was jung verheiratete Paare eben so tun, und ein entsprechendes Produkt herausgekommen ist, scheint lächerlich.

Der schnell benamste "kleine Prinz" ("Bild" u. a.), so genannt in Anspielung auf ein auch schon schwer kitschverdächtiges Buch, kann nichts dafür. Nichts für Verstörte, die Plüschtiere für das privilegierte Kind besorgten, nicht für eine marktkonforme, ranschmeißerische Närrin namens Kelly Osborne ("Bin gerade sehr stolz darauf, Britin zu sein!" Hä?). Interessanter ist die Frage, ob die Geburt eines englischen Thronfolgers tatsächlich des Volkes Emotionen in Wallung brachte oder ob das Ganze doch nur wieder eine gigantische Medien-(Miss-)Geburt war. Mehrere hundert Journalisten lauerten vor dem Londoner Krankenhaus in Erwartung der Niederkunft, medial inszenierter und multiplizierter Irrsinn. Immerhin rückte die Nachricht auch in deutschen Nachrichtensendungen an erste Stelle statt nach janz weit hinten in den Boulevard, wo sie hingehört, wieder ein Symptom für die seit Jahren zu beobachtende Banalisierung im Journalismus. Es bleibt die Hoffnung, dass die Anbiederung an vermutete Massenbedürfnisse und -interessen sich in Einschaltquoten nicht widerspiegelte.

Von den politischen Implikationen jedoch gar nicht zu reden. Mit Schaudern erinnert man sich an die reale Massenhysterie nach dem Unfalltod der Diana Spencer, jenes "zu Lebzeiten kaum mehr lebhaften Grinseautomaten" (Eckhard Henscheid), die nicht nur katastrophale Unaufgeklärtheit offenbarte, sondern, worauf wiederum Henscheid hingewiesen hat, das ungute Gefühl erzeugte, dass diese so leicht zu generierende Hysterie auch anders, weniger verkitscht-harmlos, ausgenützt werden könnte. Ein Funken Hoffnung besteht jedoch. Englische Republikaner berichten über Zulauf von Leuten, "die sich nicht länger infantilisieren lassen wollen". Auch Deutschland hätte einen solchen Zulauf bitter nötig.