Am Dienstag (10. August 2021) war es endlich wieder so weit: Die lang erwartete Konferenz von Ministerpräsidenten und Kanzlerin Merkel trat zusammen und beriet darüber, wie Deutschland künftig mit Corona umgeht und sich für Infektionswellen wappnet. Im Zentrum der Debatte: Die Corona-Tests. Diese sollen ab dem 11. Oktober nicht mehr für alle kostenlos sein. Während Impfgegner dahinter eine Verschwörung vermuten, kann sich die Solidargemeinschaft freuen.

Menschen, welche eine Corona-Impfung für sich kategorisch ausschließen, benehmen sich in vielerlei Hinsicht wie bockige Kinder im Sandkasten. Sie wollen alles für sich haben, ohne etwas dafür geben zu wollen. Bei Kindern zeigt man Verständnis, weil sie noch nicht wirklich über den eigenen Tellerrand blicken können. Wenn Impfverweigerer jedoch ihren Alltag zurückfordern, ohne selbst etwas dazu beitragen zu wollen, kann man nur mit dem Kopf schütteln.

Keine Ausreden mehr beim Impfen

Vor einigen Tagen überschritt die Impfquote in Deutschland die 50-Prozent-Marke. In Zukunft kann man in Deutschland also nicht mehr nur abwertend von einer Bevorzugung der Geimpften reden, sondern von einer Rückkehr der Mehrheit zur "Normalität". Für diese Menschen wird es voraussichtlich keinen Lockdown und keine Ausgangssperre mehr geben. 

Diejenigen, die sich gegen eine Impfung entscheiden, tun das inzwischen aus freien Stücken. Die Impfkampagne läuft bereits seit Monaten und Nebenwirkungen sind selten. Außerdem kostet die ganze Aktion den Einzelnen nichts und man sieht sich mittlerweile auch keinem bürokratischen Ungetüm mehr gegenüber. Ausgenommen sind selbstverständlich Personen, für welche aus medizinischen Gründen keine Impfung infrage kommt.

Die Aufklärungskampagne und politische Seelsorge für Verschwörungstheoretiker*innen kommt damit langsam an ihre Grenzen. Überzeugte Impfverweigerer wird man dadurch nun auch nicht mehr rumkriegen. Daher ist es gut, dass jetzt endlich darüber gesprochen wird, wie geimpfte Menschen - die Mehrheit unserer demokratischen Gesellschaft - wieder in die Normalität können.

Ein Stückchen Alltag als handfesten Anreiz

All die Impfverweigerer, welche eine Rückkehr zum Alltag fordern und alle zögernden Menschen können sich ruhig an die eigene Nase fassen. Wären genügend Deutsche geimpft, hätte man schließlich schon länger wieder zum "Alltag" zurückkehren können. Die Masse der Impfverweigerer hemmt den Rest der Bevölkerung und sorgt für eine andauernde Verlängerung des Pandemie-Geschehens.

Es ist eine logische Konsequenz, dass Bund und Länder jetzt nach besseren Überzeugungstaktiken suchen. Das Beenden des kostenlosen Testens ist hier nur ein Anfang. Künftig wird die 3G-Regel (getestet, genesen, geimpft) eine größere Rolle spielen - gar die 2G-Regel (genesen, geimpft) ist im Gespräch.

Geimpfte sollten im Alltag nur mit geringen Einschränkungen rechnen, alle anderen müssen für einen Test bezahlen und sich selbst darum kümmern oder zu Hause bleiben. So werden handfeste Anreize geschaffen, um mehr Leute zum Impfen zu bewegen. Die Leute werden an der Orientierung am eigenen Nutzen gepackt. Hoffentlich überzeugt das den ein oder anderen doch noch von einer Impfung. Falls nicht, gibt es als Notfallplan immer noch die Impf-Pflicht.