Es ist ja wohl Aufgabe der Menschheit, sich fort-, weiterzuentwickeln, vom Einfachen zum Komplexen zu schreiten, vom Archaischen zur Raffinesse. "Zivilisation ist die erzwungene Tierzähmung des Menschen", schreibt schon Nietzsche, und der musste es ja wissen. Aus der Knochenflöte mit ein paar Löchern wurde die Mahler-Symphonie, aus der Felsenmalerei ein Landschaftsbild Caspar David Friedrichs.

Die Zeiten, als Ötzi mit Holzkohle im Birkenrindengefäß, mit Pfeil, Beil und Bogen über die Alpen marschierte, sind ja Gott sei Dank lange vorbei. Nun gibt es Leute, die freiwillig regredieren in längst überwundene Entwicklungsphasen, in Zelten schlafen oder sich die Gesichter mit Dreck einschmieren, Aga!, Aga! schreien und halbnackt durch die Wälder rennen. Dazu werden sie nicht selten von sogenannten Management-Coaches ermutigt bzw. gezwungen, was einiges übers Management verrät.

Ebenso sieht's mit der Ernährung aus. Blutigen Fleischbatzen dabei zuzusehen, wie sie über Holzkohlenfeuern garen, ließ vielleicht Neandertaler vor Wohlbehagen grunzen, sollte jedoch eher befremden. Ist es Zufall, dass hierzulande immer verächtlich auf die welsche Zivilisation geblickt wurde und das Frugale in Form von Feldküchen, Gulaschkanonen und eben Gegrilltem gefeiert worden ist? Kaum steigen die Temperaturen über den Gefrierpunkt, ziehen Rauchschwaden durch die Neubauviertel und Stadtparks. Ganze Großfamilien scharen sich ums Lagerfeuer und rösten Tierteile. Die Grünen machten sich lächerlich mit ihrer Forderung nach einem fleischfreien Tag, und auch in dieser Zeitung ist gespottet worden.

Insgeheim muss den Ökos aber jeder vernünftige Mensch recht geben. Es wird viel zu viel Fleisch gegessen; Fleisch, über dessen Erzeugung man lieber nicht nachdenken möchte. Nur, dass man sich das von Gestalten wie Renate Künast oder Katrin Göring-Eckardt nicht aufs Wurstbrot schmieren lassen möchte.

Das Grillen hat sich ja flächenbrandartig verbreitet: Noch in den 1960er Jahren war eine Bratwurst etwas Besonderes; die billigen Steaks, gerne bei Vereinsfesten mit viel Bier hinuntergespült, kamen erst später auf. Und wenn man Maiskolben auf den Gasgrill wirft? Du guter Gott! Das ist nun wirklich etwas für Männer, die sich Filme wie "Titanic" anschauen.

Lesen Sie hiereinen Pro-Kommentar von Günter Flegel.