Fast ist es wie beim Thema Parken und Verkehr. Die Stadt ist gespalten. Fallen die Worte Events und Stadtmarketing, sehen viele in Bamberg rot, weil sie sich durch laute Veranstaltungen und Biertisch-Ambiente im Welterbe belästigt fühlen.

Und nicht weniger Menschen erklären die Stadt zum Seniorenwohnheim, nur wenn nicht jeden Tag Party auf dem Maxplatz gefeiert wird.

Bambergs Stadtrat steckt mittendrin. Kaum stellt einer Veranstaltungen in Frage, die Tausende von Menschen in die Stadt ziehen, erhebt sich ein Aufschrei der Entrüstung. Doch wofür ist der Stadtrat da? Sicher nicht, um politisch korrekte Reden zu schwingen und dem, der am lautesten schreit nach dem Mund zu sprechen. Die Kommunalpolitiker müssen den Finger in die Wunde legen, denn davon hängt die Zukunft der Stadt ab.

Und es steckt mehr in dem Konflikt, als man auf den ersten Blick vermuten könnte. Mehr als die Frage, wann die Kultur aufhört und der Radau anfängt. Bamberg hat seine Hausaufgaben nicht gemacht.

Zum Beispiel der Maxplatz: Nachdem schon der frühere Oberbürgermeister Herbert Lauer bei der Aufgabe versagte, die potenziell gute Stube der Stadt zu einem attraktiven Aufenthaltsort zu verwandeln, versucht es Nachfolger Andreas Starke erst gar nicht mehr, obwohl es ein Herzenswunsch vieler Bamberger Bürger wäre.

Tristesse vor dem Rathaus
Und während Starke seine Macherqualitäten bei anderen Projekten mit Nachdruck unter Beweis stellt, lässt sich auf dem Platz vor dem Rathaus die Tristesse immer noch mit Händen greifen. Biertische sind das Zeichen gestalterischen Versagens.

Oder noch wichtiger: Bamberg als Handelsstandort: Der Trend, dass jeder Quadratmeter mit Freischankflächen zugepflastert ist, mag uns an südliche Städte erinnern und Touristen in Massen locken. Doch leider geht er Hand in Hand mit dem Ausbluten der Stadt als Handelsstandort. Wie viele Bamberger fahren zum Einkaufen nach Hallstadt, Erlangen oder Nürnberg? Zu viele! Doch wann hat man zum letzten Mal etwas davon gehört, dass Bamberg als Einkaufsstadt neue Impulse nötig hätte?

Ein schlichtes "Weiter so" bringt niemanden weiter. Stadtrat und das auch mit öffentlichen Geldern geförderte Stadtmarketing dürfen sich vor der Qualitätsdebatte nicht drücken.

Das gilt für die umstrittenen Events ebenso wie bei der Gestaltung der Fußgängerzone, beim Handel und letztlich beim Verkehr. Mittelmaß kann nicht die Richtschnur sein. Das hätte diese schöne Stadt nicht verdient.