Wenn der ADAC etwas zu sagen hat, ist ihm die große Bühne gewiss. Kein Wunder: Wer fast ein Viertel aller Deutschen als Mitglieder in seinen Reihen weiß, dessen Stimme hat Gewicht - noch dazu im Autoland Deutschland, wo nach Angaben des Verbands der Automobilindustrie jeder siebte Arbeitsplatz direkt oder indirekt vom Auto abhängt. Politiker aller Couleur stehen regelmäßig stramm, wenn der Chef-Lobbyist ADAC in die Offensive geht.

Wer viel Macht und Einfluss besitzt, bei dem besteht seit jeher die Gefahr, dass er sich schlichtweg überschätzt oder sich seine eigenen Wahrheiten zimmert. Genau beides ist jetzt beim ADAC passiert, der mit einem handfesten Manipulationsskandal bei seinem Publikumspreis "Gelber Engel" Opfer seiner Hybris geworden ist.

Vermutlich wollte man beim größten Verein Deutschlands selbst nicht glauben, dass nur 3409 Personen ihre Stimme für ihr Lieblingsauto abgeben wollten. Also hatte ADAC-Kommunikationschef Michael Ramstetter nach eigenen Angaben die Stimmenzahl mal kurzerhand verzehnfacht. 34 299 Teilnehmer wären dann doch eine andere Grundlage für so einen Wettbewerb. Ramstetter trat inzwischen wegen seines Betrugsversuchs zurück.

Doch letztlich ist er nur das Bauernopfer in diesem gezinkten Spiel. Es ist schwer vorstellbar, dass er gänzlich ohne Wissen der ADAC-Spitze agiert hat. Nicht zuletzt Geschäftsführer Karl Obermair hatte noch vor wenigen Tagen von "Unterstellungen und Unwahrheiten" gesprochen und die Kritiker verspottet. Auch dieses Verhalten passt gut ins Bild der Selbstüberschätzung.

Der ADAC täte nun gut daran, einen Gang zurückzuschalten und sich wieder mehr auf seine ureigenen Aufgaben zu konzentrieren. Weniger PR in eigener Sache, dafür mehr Herzblut in die Pannenhilfe. Was bringt die lächerliche Wahl des Lieblingsautos, wenn der simple Blick in die Zulassungsstatistik genügt? Dort rangiert der Golf seit fast 25 Jahren an erster Stelle.

Der "Gelbe Engel" ist für das ganz normale ADAC-Mitglied dann himmlisch, wenn das Serviceteam schnell und zuverlässig im Pannenfall hilft. Ansonsten ist der Automobilclub durch und durch irdisch - auch wenn er sich manchmal in höheren Sphären wähnt.