Wie eine Krankheit zur Chance wurde
Autor: Julia Lucia
Sommerach, Montag, 13. November 2017
Diabetes. Die Diagnose für den fünfjährigen Anton war ein Schock für seine Mutter Daniela Engert. Gemeinsam meistern sie die Krankheit - mit Hilfe einer tollen Idee.
Manchmal kommt's im Leben anders als man denkt und dann wird's noch mal anders. Daniela Engert aus Sommerach (Lkr. Kitzingen) kann davon eine Geschichte erzählen. Die Geschichte von ihrem Sohn Anton. Bei einer Kontrolluntersuchung im Februar möchte der Kinderarzt das Blut des Fünfjährigen untersuchen. Engert, Krankenschwester von Beruf, wird stutzig. „Der Bluttest kam mir seltsam vor“, erinnert sie sich an den Termin. Auch die Fragen nach Antons Gesundheit irritierten sie.
Der Verdacht des Kinderarztes: Diabetes Typ 1. Schnell packte Engert zu Hause ein paar Sachen und fuhr mit ihrem Sohn in die Würzburger Mönchbergklinik. Auf dem Weg überschlugen sich ihre Gedanken. „Als Krankenschwester wusste ich, dass die Diagnose sicher ist“, erzählt sie. „Als Mutter habe ich gehofft und gehofft. Ich habe es gewusst, wollte es aber nicht begreifen.“
1#googleAds#100x100Nicht wie ein rohes Ei behandeln
Zehn Tage bleibt der Junge in der Klinik. Schnell begreift er, dass er jetzt anders ist. „Er hat die Krankheit von Anfang an angenommen“, sagt Engert. Die 34-Jährige ist davon überzeugt, dass ihr souveräner Umgang sich auf ihn übertragen hat: „Mein Beruf war für mich ein großer Vorteil.“
Noch im Krankenhaus wird der 34-Jährigen klar, dass sie und ihr Mann Anton nie wie ein rohes Ei behandeln wollen, aber eine Frage im Krankenbett überraschte sie doch: „Mama, darf ich trotzdem bei Rock the Race mitmachen?“, fragte Anton. Schon vor der Diagnose war das Hindernisrennen im August rund um die Würzburger Festung sein Ziel. Mit seinem Vater wollte er auf die Strecke gehen. Für seine Mutter war klar, dass sie alles möglich machen werde, um ihm diesen Wunsch zu erfüllen.
Erzieherinnen dürfen Anton kein Insulin spritzen
Allerdings war ihr noch nicht klar, dass er im Trikot ihrer neugegründeten Firma laufen würde. Wieder zu Hause versuchte Daniela Engert den Familienalltag wie bisher weiterlaufen zu lassen: Anton spielte mit seinen zweijährigen Zwillingsschwestern Annalena und Isabell, tobte im Garten und auf dem Tisch stand das gleiche wie immer, auch Süßigkeiten.
Komplizierter war die Sache mit dem Kindergarten. Zwar ließen sich die Erzieherinnen schulen, aber sie durften Anton kein Insulin spritzen. Einen Pflegedienst wollte Daniela Engert nicht, damit Anton so normal wie möglich aufwachsen kann. Aber das hieß, dass sie vor jeder Brotzeit in den Kindergarten fuhr, um Anton das Insulin zu verabreichen – auf die Dauer keine tragbare Situation.
Neue Freiheiten entdeckt
Die junge Mutter überlegte, wie sie allen das Leben leichter machen könnte – und kam auf die Idee mit den Bildern. Lebensmittel, die Anton gerne aß, fotografierte sie und zwar nach Kohlenhydrateinheiten (KE), nach denen das zu verabreichende Insulin berechnet wird. Fünf kleine Butterkekse eine KE, fünf Chipsletten 0,5 KE oder ein kleiner Apfel eine KE. Neben der Brotzeit gab Daniela Engert Anton die passenden laminierten Kärtchen mit in den Kindergarten.