Dem Schwimmbad droht das Aus. Bürgermeister Peter Kornell sieht seine Stadt allein mit der Sanierung überfordert. Aber er hat einige Ideen, wie das Bad zu erhalten wäre.
Was für ein heißer Start in die Sommerferien: Über 30 Grad zeigt das Thermometer seit rund zwei Wochen an, perfektes Freibad-Wetter. Das treibt die Besucherzahlen in die Höhe – auch in Volkach. Dennoch steht Bürgermeister Peter Kornell mit sorgenvoller Miene zwischen dem 50 Meter langen Schwimmerbecken und dem Nichtschwimmer-Bereich. Das bekannte Problem: Das Freibad benötigt dringend eine umfassende Sanierung.
Die meisten planschen ohne Badeschuhe
Die Mängel an den Fliesen sind so groß, dass das Nichtschwimmerbecken im Juli für mehrere Tage abgesperrt war. Mehrere Kinder hatten sich zuvor dort verletzt, kamen mit kleinen Schnittwunden an den Füßen aus dem Wasser. Nun weisen Schilder darauf hin: „Es kann aus Sicherheitsgründen nur mit Badesandalen genutzt werden.“ Die Praxis zeigt allerdings: Die meisten Mädchen und Jungen stürzen sich ohne solche Badeschuhe ins kühle Nass. Verletzungsrisiko auf eigene Gefahr.
Ein Zustand, der Kornell und Bademeisterin Anna-Lena Einbecker noch mehr Sorgenfalten auf die Stirn treibt. Doch die Alternative wäre die dauerhafte Absperrung des Nichtschimmerbeckens gewesen. Und das während der Sommerferien.
Seit 1967 ist das Freibad in Betrieb, Ende der 1980er-Jahre wurden die Becken neu gefliest – und seitdem immer instandgehalten und ausgebessert, wie Peter Kornell betont. Doch das reiche nun einfach nicht mehr. Doch woher soll die klamme Stadt Volkach die geschätzten fünf Millionen Euro für eine Erneuerung nehmen? Auch die Umwandlung in ein Naturbad veranschlagt Kornell mit rund 3,5 Millionen Euro. Ist das Bad also noch zu halten? „Ich bin skeptisch, wenn uns niemand hilft“, sagt der Bürgermeister.
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Das Allianzbad in Hofheim als Vorbild?
Schon der Betrieb kostet die Stadt jährlich rund 200 000 Euro. Bei rund 40 000 Gästen pro Jahr müsste man pro Gast fünf Euro Euro mehr verlangen, um die laufenden Kosten zu decken, rechnet Kornell vor. Und das sei weder sinnvoll noch gewollt. Er sieht andere Kommunen und Landkreise in der Pflicht, sich an den Betriebskosten zu beteiligen. Schließlich kämen die Badegäste aus vielen Orten und den drei Landkreisen Kitzingen, Schweinfurt und Würzburg. Als gelungenes Beispiel nennt der Bürgermeister das Allianzbad in Hofheim, bei dem mehrere Gemeinden ein mögliches Defizit tragen (siehe Infokasten).
Oder könnte nicht wenigstens der Landkreis Kitzingen den Volkachern finanziell unter die Arme greifen? Das kommt nicht in Frage, wie die Pressesprecherin des Landratsamtes Corinna Petzold erklärt: „Der Betrieb/Unterhalt/Bau eines Schwimmbads ist ausschließlich gemeindliche Aufgabe im eigenen Wirkungskreis.“ Ein Defizitausgleich wäre eine „landkreisfremde“ Aufgabe und somit unzulässig. Außerdem hätte dies eine Präzedenzwirkung, da es im Landkreis weitere Schwimmbäder gibt.
Ehrenamtliche packen mit an
Unterstützung kommt hingegen vom Förderverein Volkacher Bäder, den es seit vier Jahren gibt. Der hat laut der Vorsitzenden Barbara Schmitt derzeit 120 Mitglieder, nicht nur aus Volkach und seinen Ortschaften, sondern auch aus Höchberg, Kolitzheim und weiteren umliegenden Gemeinden. Deren Einsatz sei vor allem im Frühjahr beim Auswintern gefragt, informiert Schmitt. Hierbei leisten die Mitglieder jährlich zwischen 350 und 400 ehrenamtliche Stunden. Vom Streichen der Bänke und Spielgeräte übers Hecke schneiden, Unkraut jäten und Spinde auswaschen sei viel zu tun und jedermann gerne gesehen. Das bestätigt auch Bademeisterin Einbecker: „Es ist immer Bedarf da, wenn einer helfen will.“