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Warum Spargelbauern in Franken besser dran sind


Autor: Angelika Kleinhenz

Kitzingen, Dienstag, 19. Juni 2018

Das warme Wetter ließ den Spargel heuer regelrecht explodieren. Die Folge: riesige Mengen und günstige Preise. Für manche Bauern eine Katastrophe – nicht so in Franken.
Riesige Mengen, günstige Preise: Dies ist die Bilanz der Spargelsaison 2018.


Wer hätte gedacht, dass Spargelbauern jemals über zu viel Spargel klagen? Die früh einsetzende Hitze hat in dieser Saison die Pflanzen stark sprießen lassen. Die Folge: Das Angebot überstieg die Nachfrage und die Preise purzelten, vor allem auf dem Großmarkt. Die Schrobenhausener Spargelerzeuger sprechen von einer so „ krassen Situation “, wie sie sie das letzte Mal im Jahr 1986 nach der Nuklearkatastrophe von Tschernobyl erlebt hätten. Einige spielen bereits mit dem Gedanken, ihre Anbauflächen zu verkleinern. Und die fränkischen Spargelbauern?

Franken: Direktverkauf hält Preise stabil

„Ganz so dramatisch sehen wir es nicht“, sagt Miriam Adel, Vorsitzende des Spargelerzeugerverbandes Franken . Denn anders als in Schrobenhausen, dem Anbaugebiet nördlich von München, sind die fränkischen Betriebe strukturiert. In Franken gibt es gemessen an der Anbaufläche von rund 1009 Hektar die meisten Betriebe: 356 Erzeuger registrierte das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (AELF) in Kitzingen. Die meisten von ihnen sind kleine Familienbetriebe mit etwa fünf Hektar Fläche. Sie verkaufen ihren Spargel frisch und direkt an ihre Stammkunden, die meist in der Nähe des Hofes wohnen. Spargelstände in den Orten und auf Märkten, aber auch Spargelfahrten, bei denen der Kunde direkt auf dem Hof kauft, halten die Preise bis zum offiziellen Ende der Spargelsaison am kommenden Sonntag relativ stabil.

Verloren haben dagegen die Spargelbauern, die ihren Ertrag an den Lebensmitteleinzelhandel oder die Gastronomie verkaufen. Denn dort regieren Angebot und Nachfrage inklusive des enormen Preisdrucks in dieser Saison. So betrug der bundesweite Durchschnittspreis für ein Kilo weißen deutschen Spargel in der Woche vor Pfingsten gerade mal 5,48 Euro. Das war, bezogen auf eine einzelne Woche, der niedrigste Verbraucherpreis der vergangenen vier Jahre, meldet die Agrarmarkt-Informationsgesellschaft in Bonn.

Durchschnittspreis sinkt auch in Franken

Beim Direktverkauf ab Hof variiert der Preis in Franken je nach Größe und Ausrichtung des Betriebes in dieser Saison zwischen sieben und neun Euro, schätzt Miriam Adel. Im vergangenen Jahr verzeichnete der Bayerische Bauernverband einen Durchschnittspreis von 8,75 Euro . Im Vergleich zu 2016, dem „witterungsbedingt teuersten Spargeljahr seit 2000“, ein Minus von 5,4 Prozent. „Vermutlich unterbieten wir ihn heuer noch einmal“, sagt Adel. Wie viel, steht noch nicht fest. Die Zahlen für diese Saison will der Bauernverband Anfang nächster Woche bekannt geben. Doch so dramatisch wie auf dem Großmarkt in München, der schon im vergangenen Jahr ein Minus von 15,4 Prozent und einen Durchschnittspreis von 5,50 Euro pro Kilo verzeichnete, wird es in Franken wohl nicht werden.

Dabei sah zu Beginn der Saison noch alles ganz anders aus: Von dem kühlen April und der geringen Spargelmenge profitierten in Franken die Betriebe, die das Wachstum ihrer Pflanzen unter einer Kunststofffolie beschleunigen. Sie drängten ihre peruanischen Konkurrenten aus dem Markt, sagt Nikolai Kendzia, Abteilungsleiter Gartenbau am AELF. Dann kam der Mai. Es wurde heiß. „Die Menge war schnell da und die Preise purzelten.“ Die Verbraucher profitierten. „Es ist so viel gewachsen wie nie zuvor“, berichtet Adel. „Ob Handelsklasse I oder II, dick oder dünn, Verbraucher bekamen alles, was sie wollten.“

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Für die Spargelbauern begann ein Wettrennen: Stechen, waschen, verpacken, sortieren – Sie kamen kaum noch mit der Arbeit hinterher. Auf einigen Äckern wurde gar nicht mehr gestochen. Bei den meisten Betrieben halfen Saisonarbeiter aus Rumänien und Polen. „In Zukunft wird es immer schwieriger, Leute zu bekommen“, sagt Miriam Adel. Denn die arbeitsaufwendige Handarbeit, bei der man obendrein der Natur ausgesetzt ist, könne man noch nicht automatisieren. Hoch technisierte Spargelmaschinen beispielsweise sind nicht nur teuer, sondern schneiden auch viele junge Spitzen mit ab. „Am Ende hat man keinen Stangenspargel mehr“, sagt Adel. Sie wünscht sich Arbeitsabkommen, beispielsweise mit der Ukraine.

Trend zu regionalen Produkten

Der Mindestlohn macht sich bei den fränkischen Betrieben weniger bemerkbar als andernorts. Denn: „Kleine Familienbetriebe mit ein bis zwei Hektar Spargelfläche, die keine großen Lohnkosten haben, können Preisschwankungen am Markt besser kompensieren“, so Adel. Und noch einen Vorteil haben die Franken: Seit 15. März 2013 ist „fränkischer Spargel“ eine von der Europäischen Union „ geschützte geografische Angabe “. Verbraucher schätzen das. Die Nachfrage in Franken sei gut, so Kendzia. Der Spargel profitiere vom Trend zur gesunden Ernährung und der Einsicht vieler Verbraucher: „Saisonale, regionale, gesunde und frische Produkte sind ihren Preis wert.“

Die meisten Betriebe liegen in Franken

Die größten bayerischen Anbauflächen liegen in Schwaben (1352 Hektar), Niederbayern (1054 Hektar) und Oberbayern (940 Hektar). Auf 581 Hektar wird in Unterfranken Spargel angebaut. In Mittelfranken sind es 354 Hektar und in Oberfranken knapp 74 Hektar.

In Unterfranken hatte 2017 der Landkreis Kitzingen mit 45 Prozent die größten Spargelflächen, gefolgt von den Landkreisen Schweinfurt (21 Prozent), Würzburg (15 Prozent) und Haßberge (sieben Prozent).

Relativ zur Fläche liegt Franken bei der Zahl der Spargelbetriebe mit 356 weit vorne. In Unterfranken bauten im vergangenen Jahr 92, in Mittelfranken 205 und in Oberfranken 58 Betriebe fränkischen Spargel an. Zum Vergleich: In Oberbayern sind es 116 Erzeuger, in Niederbayern 50, in Schwaben 36 und in der Oberpfalz zehn. (akl)