Sturm im Wasserglas: OB Müller sagt Besprechungen ab und wieder zu
Autor: Andreas Brachs
Kitzingen, Dienstag, 03. Dezember 2019
Oberbürgermeister Siegfried Müller hat es mit einer kurzen Mail geschafft, alle Fraktionen im Stadtrat gegen sich aufzubringen. Was war passiert, und warum lenkt er jetzt ein?
Wenn man nicht mehr miteinander redet, ist das meist der Anfang vom Ende. Und ausgerechnet an dieser Gesprächsbereitschaft ließ es jetzt der Kitzinger Oberbürgermeister Siegfried Müller (UsW) missen. Er hatte den politischen Gruppierungen im Stadtrat mitgeteilt, dass er bis zur Kommunalwahl nicht mehr zu den Fraktionsvorsitzenden-Besprechungen einladen wird.
Doch wegen "massiven Reaktionen aus den Fraktionen", wie Müller mittlerweile schrieb, sei er nun doch bereit, die Hintergrundgespräche mit den Vertretern aller politischer Gruppierungen im Stadtrat "wieder aufleben zu lassen". Was war passiert?
Am Freitag stieß der Kitzinger OB die Stadträte vor den Kopf: In einer knappen E-Mail teilte er den Sprechern mit, dass er die Fraktionsvorsitzenden-Besprechungen "nicht mehr als zielführend" sehe, "da sämtliche Vorgespräche nicht mehr in die Meinungsbildung der Fraktionen mit einfließen". Seine Konsequenz: die Absage der Besprechungen bis zum Abschluss der Kommunalwahlen.
Der Sinn von Fraktionsvorsitzenden-Besprechungen
Diese Gesprächsrunden mit Vertretern aller politischen Richtungen im Stadtrat gibt es in vielen Kommunen, auch wenn sie nicht formal in der Geschäftsordnung verankert sind. Der Sinn des freiwilligen Austauschs: Der OB informiert vor den Stadtratssitzungen, welche Themen auf der Tagesordnung stehen werden, erläutert Hintergründe, kann seine Meinung dazu kundtun und die Haltungen dazu in der Runde abfragen. Das ist wichtig für den Stadtrat, denn die Vorsitzenden nehmen diese Informationen mit in ihre Fraktionsbesprechungen und erleichtern es so jedem Mitglied, sich ordentlich auf eine Sitzung vorzubereiten.
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Auf Müllers E-Mail hin hagelte es Kritik aus allen Gruppierungen: Die CSU-Fraktion beklagte in ihrer Stellungnahme, dass OB Müller die Besprechung als Beschlussorgan missverstehe. Stattdessen betonte ihr Sprecher Andreas Moser: "Wir haben keinen Fraktionszwang!" Moser warf Müller vor, dass dieser regelmäßig wichtige Themen nicht vorberate, was zu Irritationen und Verzögerungen führe. "Die Bürger leiden am Ende am meisten unter Ihrer Vorgehensweise", erklärte Moser, wenn Beschlüsse nicht getroffen werden könnten.
Die CSU vermisst Themen wie Innenstadtentwicklung, Notwohngebiet, Kinderbetreuung oder einen Lebensmittelmarkt für die Marshall Heights auf der Tagesordnung des Stadtrats. Auch die Verabschiedung des Haushalts für das Jahr 2020 in den April zu verlegen, hält Moser für nicht akzeptabel.