Missfallen aus Müllers Fraktion UsW
Selbst aus Müllers Fraktion, der UsW, kam Gegenwind. "Mir persönlich gefällt es nicht", sagte deren Sprecher, Manfred Marstaller, zu Müllers Entscheidung, die er aber respektiere. Aus Sicht des Stadtrats sagte Marstaller aber auch, dass die Räte rechtzeitig vor den Sitzungen Informationen bräuchten. Zugleich kritisierte er, dass die Besprechungen "teilweise durch andere Fraktionen als Wahlkampf benutzt" würden.
Die SPD bedauerte Müllers Schritt und forderte, die Gespräche wieder aufzunehmen, um einen Informationsaustausch zu gewährleisten. Sprecherin Astrid Glos betonte, dass sie in den bisherigen Besprechungen immer nur ihre persönliche Meinung geäußert habe, aber nie die der Fraktion. Das sei auch gar nicht möglich, weil viele Themen in Müllers Runde erstmals besprochen werden.
Glos monierte wie die CSU, dass Themen wie Innenstadtkonzept, ein Konzept fürs Notwohngebiet oder fehlende Plätze der Kinderbetreuung nach wie vor nicht beraten würden. Glos glaubt: "Jeder von uns ist an guten Lösungen für Kitzingen interessiert." Wegen "Wahlkampfgedöns" könne nicht plötzlich auf die notwendige Beratung verzichtet werden.
Scharfe Kritik von der KIK
Scharfe Kritik erntete der OB von der KIK: Seine Aufkündigung der Gesprächsrunden entbehre jeglicher Grundlage. Die "willkürliche Entscheidung" des OB sei "ausschließlich persönlich motiviert", schrieb Sprecher Klaus-Dieter Christof an den OB. Damit würden die Fraktionen von äußerst notwendigen Informationen abgeschnitten und könnten sich mehr über anstehende Entscheidungen abstimmen. Die KIK forderte die Wiederaufnahme der Gespräche.
Auch die FW/FBW wünschen sich eine Fortsetzung der Gespräche, wie deren Sprecher Uwe Pfeiffle erklärte. Er möchte OB Müller persönlich fragen, was ihn zur Aufkündigung bewogen habe, sieht dafür aber im Verhalten der FW/FBW-Fraktion keinen Anlass.
Die ÖDP kritisierte in ihrer Stellungnahmen, dass OB Müller "in letzter Zeit in verstärktem Maße" strittige Themen nichtöffentlich behandle. "Demokratie und Transparenz sollen dabei möglichst außen vor bleiben, kritisierten die ÖDP-Stadträte Jens Pauluhn und Bianca Tröge. "Umfängliche Präsentationen" in der Besprechungsrunde wie Entwicklungsideen in den Marshall Heights, Möglichkeiten für ein Ärztehaus, Entwicklungspotenziale für das Stadtmuseum könnten eine öffentliche und transparente Behandlung nicht ersetzen.
Hartmann bleibt Jahresschlussessen aus Protest fern
Die Gruppierung Pro KT hält Müllers Entscheidung ebenfalls für falsch. "Die Stadt hat so viel Entwicklung und muss etwas bewegen", sagte Sprecher Franz Böhm. "Wir dürfen keinen Stillstand einreißen lassen."
Die fraktionslose Stadträtin Andrea Schmidt (Bündnis 90/Die Grünen) gestand Müller zu, dass die Fraktionsvorsitzenden-Besprechung, zu der sie auch eingeladen war, freiwillig sei. Aber diese "offene Dialogform aufzulösen", die alle mitnehme, seit kein guter demokratischer Stil.
Uwe Hartmann (Bayernpartei), der wie Schmidt als Einzelkämpfer im Stadtrat sitzt, fürchtete ein Informationsvakuum bei einigen Gruppen im Stadtrat. Hartmann hatte aus Protest sogar seine Teilnahme am Jahresschlussessen abgesagt.