"Hold your breath" (halte die Luft an) ... "feel the earth move" (spüre, wie die Erde sich bewegt) - Adeles Titelsong sorgt nicht nur in James Bonds "Skyfall" (Himmelssturz) für Gänsehaut, sondern auch in der Kitzinger LKT-Halle. 21 Nachwuchsturner der TG Kitzingen, sonst an Reck, Barren und Kasten zu Hause, üben Hebefiguren, fliegen durch die lichten Höhen der Halle, fallen herunter, aufgefangen von den Händen ihrer Kameraden.



Unterstützt vom Trainer-Gespann Sabine und Heidi Diener und Fabiola DiBiasi. Da staunt auch Erich Seifert, das Urgestein der TGK-Turner schlechthin, immerhin 82-jährig. Er packt kräftig mit an.

Es geht nicht um Meisterehren, sondern um Bond - James Bond! Dem hauchen die Nachwuchsturner beim Sport- und Spielnachmittag am Faschingssonntag in der Florian-Geyer-Halle Leben ein. Nach zehn Abenden je zwei Stunden üben, morgen Vormittag noch die Generalprobe, heißt es schließlich am Nachmittag "Vorhang auf".

Idee in den Weihnachtsferien
"Die Idee kam uns zu Beginn der Weihnachtsferien, Bond als Motto zu nehmen", sagt Sabine Diener. "Erst hatten wir noch kein richtiges Konzept, ob wir einen Bond-Film nachstellen oder einfach nur James Bond, der von Film zu Film springt."

Letztendlich studieren die Turner nun eine ganze James-Bond-Vorführung ein, nach der Choreografie, die die drei Übungsleiterinnen erstellten - Dauer, eine ganze Viertelstunde.

Warum ausgerechnet den Agenten Ihrer Majestät? "James Bond ist ein Vorbild für viele Jugendliche. Und wir wollen der Jugend zeigen, dass auch der Sport als Vorbild genommen werden kann und dies den Zuschauern nahebringen", sagt Heidi Diener. Für viele sei das Turnen aus der Mode geraten. Und da kommt den TGK-lern der Geheimagent gerade recht: "Dieses Jahr setzen wir mehr auf Action, weil der Film gerade in den Kinos läuft. Wir wollen aber auch was Elegantes reinbringen - eben wie Bond", sagt Sabine Diener.

Die Kids sind begeistert. Gabriel, neun Jahre alt, kommt dem Himmel am nähesten. Er steht bei der Turner-Pyramide ganz an der Spitze "Ich fühle mich richtig gut da oben", freut sich der Viertklässler auf die Aufführung am Sonntag. Angst dass er herunterfallen könne, habe er nicht. "Da oben sieht man ganz viel", strahlt er. Bond im Fernsehen anschauen, dürfe er allerdings noch nicht.

Publikum begeistern
Mit Elan sind Gabriel, seine Mitstreiter und die Trainerinnen bei der Sache. Seit vielen Jahren sorgen die Turner der TGK nicht nur bei sich für Abwechslung vom Trainingsprogramm. Sie wollen auch das Publikum in ihrem Bann ziehen. Ob beim vereinseigenen Ehrenabend, beim Stadtfest oder der Kleinen Gartenschau. Oder eben beim Sport- und Spielnachmittag. "Die Grease-Aufführung letztes Jahr war die superbeste überhaupt", schwärmt Sabine Diener. Da habe alles gepasst. Die selbst genähten Kostüme. Mädels mit Samtanzügen und Glitzerröcken. Die Jungs mit Glitzerkrawatten zu ihren Anzügen. "Ich habe eine Gänsehaut bekommen." Und das Publikum hätte am liebsten mitgetanzt.

Apropos Glitzerkrawatten, die gibt es auch wieder, wie die Trainerin am Donnerstagabend betonte. "Heuer haben wir die Kostüme einfach gehalten. Schwarze Hose, weißes Hemd oder Bluse." Sie seien aber auch schon an der Nähmaschine gesessen und hätten Röcke genäht oder Puschel. Warum die Trainerinnen sich so engagieren? "Das macht viel Spaß, die Fortschritte zu sehen. Alleine das ist es schon wert, sich um die Kinder zu kümmern", sagt Sabine Diener. "Ob Jungs, ob Mädels, Kinder oder Jugendliche, alle unterstützen sich bei den Proben und Vorstellungen gegenseitig. Das ist das Besondere bei uns." Und die Kleinen würden da einfach mitgezogen, das freut die Übungsleiterinnen. Und außerdem: "Wir merken es besonders nach der Aufführung am Faschingssonntag, dass auch andere Kinder zu uns zum Training kommen und teilweise bleiben."

Was bei der vorletzten Probe am Dienstag noch etwas hakte, ließ nicht nur dem Betrachter vorgestern am Donnerstagabend die Augen leuchten. Begeistert und nahezu perfekt präsentierten die Turner ihren James Bond. Nur noch einige Feinheiten müssten abgestimmt werden, freuen sich die Trainerinnen auf Sonntag.

Einfach weitermachen
"Es ist wie jedes Jahr. Auch wenn bei den Übungsabenden das ein oder andere Kind fehle und wir öfters umstellen müssen, irgendwie bekommen wir das immer hin", sagt Fabiola DiBiasi. Und wenn doch etwas schief ginge.

"Da haben wir einen Trick - einfach weitermachen, so tun, als wäre nichts gewesen", plaudert Heidi Diener aus dem Nähkästchen. Die Kleinigkeiten würden nur sie bemerken, das Publikum dagegen nicht. Und überhaupt, in die Hose gegangen sei es noch nie.

Auch der neunjährige Gabriel fiebert auf die Aufführung hin. "Ich glaube fest daran, dass alles klappt." Wenn er dann vom Himmel stürzt, alle in der Florian-Geyer-Halle die Luft anhalten. Und sich die Erde unter ihren Füßen beim Beifall bewegt...