Spielabbruch: Jetzt spricht der Schiedsrichter
Autor: Eike Lenz
Gülchsheim, Mittwoch, 02. Oktober 2019
Nach dem Spielabbruch in Gülchsheim meldet sich ein Zuschauer mit seiner Version. Und noch ungewöhnlicher: Auch der Schiedsrichter äußert sich in dem schwebenden Fall.
Am Sonntag wurde in Gülchsheim (Lkr. Neustadt an der Aisch/Bad Windsheim) ein Fußballspiel vor der Zeit beendet, abgebrochen durch den Schiedsrichter. Wir berichteten darüber . Es ist nicht einfach, in einem solchen Fall an objektive Informationen zu gelangen. Ein Reporter dieser Redaktion war nicht vor Ort – also bleiben Sekundärquellen. Anrufe bei den Beteiligten: Trainer, Spieler, Betreuer der SpVgg Gülchsheim auf der einen Seite und des SV Willanzheim auf der anderen.
Während sich Funktionäre der SpVgg Gülchsheim – voran Trainer Tobias Schmidt – auf Anfrage nur sehr einsilbig äußerten, meldete sich am Tag nach Erscheinen des Artikels ein Leser mit seiner Sicht der Dinge. Und – noch ungewöhnlicher – auch der Schiedsrichter, der sich in ähnlich gelagerten Fällen mit Verweis auf ein schwebendes Verfahren allzu gern in Schweigen hüllt, gab sich wie ein offenes Buch.
Mit einem Zweikampf ging alles los
Die Szene, die am Sonntag in der 70. Minute zum Spielabbruch führte, erlebte unser Leser (Name ist der Redaktion bekannt) nach eigenen Angaben aus nächster Nähe. „Ich stand direkt daneben und habe genau gesehen, was passiert ist.“ Seine Schilderung liest sich etwas anders als jene Version, die etwa Spieler und Trainer des SV Willanzheim am Tag zuvor erzählt hatten. Unbestritten ist: Es gab einen Zweikampf. „Beide Spieler“, so beschreibt es unser Augenzeuge, „gehen auf den Ball zu. Der Gülchsheimer Spieler will ausweichen, rutscht weg.“ Dabei habe er seinen Willanzheimer Gegenspieler getroffen.
Auch der Willanzheimer sei – gestreckten Fußes – in das Duell gegangen, habe den Gülchsheimer mit dem Fuß am Kinn erwischt und so schwer verletzt, dass jener später im Krankenhaus behandelt wurde. Minutenlang habe der Gülchsheimer am Platz gelegen und sei behandelt worden. Als er schließlich aufgestanden sei, gestützt vom Coach und vom eigenen Vater, habe der Schiedsrichter ihm die Gelb-Rote Karte vorgehalten.
„Da hat der Spieler ihm an die Brust gelangt. Der Schiedsrichter drehte sich daraufhin um und sagte: Das Spiel ist aus.“ Alle Versuche, ihn umzustimmen und das Spiel fortzusetzen, seien gescheitert. „Seine Entscheidung stand fest.“ Fazit unseres Lesers: Der Schiedsrichter habe überreagiert. „Er hat bei jeder Kleinigkeit Gelb gezeigt.“
Der Schiedsrichter beklagt ständige Meckereien
Klaus Lahr hatte sich auf ein schönes Spiel gefreut. „Immerhin spielte da der Tabellenführer gegen den Tabellenvierten der Kreisklasse.“ Doch schon nach kurzer Zeit musste er feststellen, dass seine Erwartungen wohl zu hoch gegriffen waren. Statt technische Kabinettsstückchen erlebte er nach eigenen Angaben ständige Meckereien.
Vor allem die Gülchsheimer Spieler hätten sich in der ersten Halbzeit ständig mit ihm angelegt. Er reagierte mit zwei, drei Gelben Karten, konnte das Spiel dadurch aber nicht beruhigen. Im Gegenteil: „Das hat sie noch weiter aufgebracht.“ Er hoffte, dass sich die Gemüter in der Halbzeit abkühlten.