Lahr ist ein erfahrener Mann – mit hunderten Einsätzen und einer Reihe von Verdiensten für seine Zunft. Der Mann des TV Niederstetten war Obmann des Bezirks Hohenlohe und ist inzwischen Ehren-Obmann. Er weiß, was auf dem Platz geht und was nicht geht. Schon 2009 – damals in seiner Funktion als Bezirks-Schiedsrichterobmann – verfasste er eine Stellungnahme an das Sportgericht, in der er die Grenzen des Erlaubten eng fasste: „Wer den Schiedsrichter schlägt oder versucht ihn zu schlagen, (. . .) handelt nicht nur unsportlich, sondern auch rechtswidrig.“
Bei den Schiedsrichtern handele es sich „nicht um Freiwild, mit dem man nahezu alles machen kann, nur weil man mit seiner Regelauslegung nicht einverstanden war . . . Allein aus dieser Tatsache heraus muss man den Anfängen wehren, und dabei spielt es nur eine sekundäre Rolle, wie stark hier der Schiedsrichter tatsächlich getroffen wurde.“
Für den Unparteiischen ist die Sache klar
In Gülchsheim waren am Sonntag etwa 70 Minuten absolviert, als es zu besagtem Zweikampf kam. Lahr, der nach eigenen Worten „zwei Meter daneben stand“, sagt: „Der Gülchsheimer Spieler ging mit beiden Beinen in Ball und Gegner rein – von vorne und mit Anlauf. Der Willanzheimer Spieler sprang hoch und blieb bei der Landung mit dem Fuß im Gesicht des Gülchsheimers hängen.“ Der blutete daraufhin stark am Kinn und wurde am Platz verarztet. Lahr hatte seinen Entschluss in diesem Moment bereits gefasst: „Es war klar, dass der Gülchsheimer für sein gefährliches Einsteigen Gelb-Rot bekommen würde.“
Er wartete ab, bis der Gülchsheimer, der schon im Spiel oft „gemosert“ habe, wieder stand. Die Ampelkarte war dann das Signal, das eine Kettenreaktion in Gang setzte. Noch ehe Lahr seine Kärtchen verstaut hatte, eskalierte die Lage. „Er hat mich am Trikot gepackt, zu sich herangezogen, ich habe mich losgerissen“, berichtet Lahr. „Danach war klar: Es ist Schluss.“
Mit Anfassen sei eine rote Linie überschritten
Anfassen, so sagt der Unparteiische, gehe gar nicht, da sei eine rote Linie überschritten. Der Gülchsheimer Trainer habe es nicht geschafft, seine Spieler während der Halbzeitpause zu disziplinieren und zu beruhigen, „er hätte auf sie einwirken und sagen müssen: Lasst mal den Schiedsrichter in Ruhe.“ Das sei nicht geschehen. „Gülchsheim lag nur 0:1 zurück, hätte das Spiel also noch gewinnen können.“
Für Lahr war der Spielabbruch eine Präventivmaßnahme. Er ist sich auch zwei Tage nach dem viel beachteten Vorfall sicher, „absolut richtig gehandelt“ zu haben. „Die Lage wäre sonst weiter eskaliert.“
Der Fall bestärkt ihn in der Ansicht, dass sich Angriffe auf seine Zunft häufen . Überhaupt sei es heute doch so, dass man schneller bereit sei, mal hinzulangen, wenn man nicht Recht bekomme. Diesen Spielabbruch könne man auch als Exempel verstehen. Dabei gehe es im Fußball, noch dazu in einer Liga wie der Kreisklasse doch nicht um Leben und Tod.