Diesen Samstag ist es soweit: Wochenlang haben die Handballer des TSV Rödelsee auf diesen Tag hingefiebert. Mit ihrem Auftritt beim TV Hochdorf beginnen sie die Runde in der dritten Liga Süd. Damit schlagen sie in der neunzigjährigen Vereinsgeschichte ein völlig neues Kapitel auf, denn in derartigen Höhen fand sich der Verein aus der 1800-Einwohner-Gemeinde am Schwanberg noch nie zuvor. Mehr als gespannt ist Trainer Dusan Suchy auf das, was da kommen wird. „Ich bin neugierig, wie das alles abläuft. So hoch haben wir noch nie gespielt. Wir haben keine Angst und wollen das Maximum herausholen, was möglich ist“, verspricht der Slowake, der schon seit 1998 in Rödelsee ist und dort in seiner dreizehnten Saison als Trainer Verantwortung trägt. In der vergangenen Runde gelang seinen Mannen der Titelgewinn in der Bayernliga. Jetzt will der Slowake mit Co-Trainer Jens Ullmann das Rödelseer Schifflein in einer Liga auf Kurs halten, die nahe am Profi-Handball segelt. Für den TSV kommt der Aufstieg beinahe einem Quantensprung gleich. Öfters mal ein Video sehen In der Liga zu bleiben ist für Suchy das vordergründige Ziel, das würde in der 85-jährigen Handball-Geschichte des TSV wohl einen weiteren Meilenstein bedeuten. Drei Direktabsteiger wird es nach der Runde geben – vorrangig sei es natürlich, sich zu halten. „Wenn am Schluss Platz zehn herausspringt, wäre das super“, sagt Suchy. Wo sich Rödelsee einreihen wird in der Süd-Staffel, die spielerisch stärker beurteilt wird als die Ost-Riege, darauf ist auch Trainer Suchy gespannt. Er vermutet, dass es keine schwachen Kontrahenten geben werde – gerade auswärts seien die Punkte schwer zu erringen. Für die neue sportliche Dimension muss der frisch verheiratete und bald 39 Jahre alte Spielertrainer einiges an Videomaterial über neue Gegner studieren. Gerade jetzt – am Anfang der Saison – werde er viele Sequenzen zu sichten haben, weil viele Teams ihre Struktur durch Zu- und Abgänge zum Teil stark verändert haben. Suchy will die Vorbereitung auf die für ihn meist unbekannten Gegner noch ein Stück weit akribischer angehen als in den vergangenen Jahren. Überhaupt werde mehr Zeit anfallen – nicht nur für die Fahrten bis an den Bodensee. Ihr Wochenpensum haben die Rödelseer von drei auf vier Trainingseinheiten erhöht. Um im Konzert der Großen mitzuspielen, machte der TSV keine allzu großen Klimmzüge in einer Liga, in der die Verhältnisse schon etwas auseinander klaffen. Da ist etwa ein HSC Coburg, der – dank eines großen Versicherungskonzerns – aus einem Etat von angeblich knapp zwei Millionen Euro schöpfen kann. Zudem verfügt der Ligakrösus aus Oberfranken über eine neue Halle, die bei Heimspielen im Durchschnitt mit 2000 Besuchern gefüllt ist. Neben Coburg dürften die Top drei des Vorjahres – der TSV Friedberg, die TSB Heilbronn/Horkheim sowie die zweite Vertretung des HBW Balingen-Weilstetten – eine Nummer zu groß sein für die Rödelseer. Deren Verhältnisse muten etwas bescheidener an. Immerhin hat sich der Aufsteiger mit Bostjan Hribar verstärkt. Der Slowene spielte bereits in der Bundesliga und war 25 Mal für sein Land im Einsatz. Neu sind auch der einstige kroatische U 19-Auswahlspieler Marin Varvodic (25) und der bereits beim Zweitligaklub Erlangen erprobte Torwart Max Deussen (25). Im Vergleich zur Bayernligasaison sieht Suchy seinen Kader in der Breite ausgeglichener. „Wir haben vierzehn Spieler, plus die Torleute. Jeder muss sich seiner Aufgabe bewusst sein“, erklärt er. Das heißt: Leistung bringen und das umsetzen, was von den Trainern verlangt werde. Neu zu besetzen ist die Rolle von Leistungsträger und Galionsfigur Michal Tonar – da wird hauptsächlich Bostjan Hribar gefordert sein. Der 36jährige Routinier ist ebenso wie Tonar Linkshänder und übernimmt dessen Position im halbrechten Rückraum. Hribar soll noch etwas Zeit bekommen, um sich einzugewöhnen. Auf halblinks steht in Jan Kästner ein Akteur zur Verfügung, der bereits in Coburg zweite Liga spielte. Im Rödelseer Meisterjahr kam Kästner vor allem in der Rückrunde eine wichtige Rolle zu. „Da hat er bewiesen, wie bedeutend er ist, Jan zog den Karren. Er hat noch Riesen-Potenzial“, sagt der Trainer über den 27-Jährigen, dessen Zenit längst nicht erreicht sei. Bei all seinen Spielern erkennt Suchy noch Luft nach oben, auch bei Maximilian Häckner oder Marin Varvodic, die in der Rolle des Spielmachers aufgehen sollen. Auf den flexibel im Rückraum einsetzbaren Kroaten hält Suchy große Stücke, auch wenn dieser sein Potenzial noch nicht ganz offenbart habe. „Er hat sich bislang etwas zurückgehalten, muss sich erst an den Handball hier gewöhnen und torgefährlicher werden.“ Auf Außen werden in Andreas Paul (links) und dem Ungarn Gabor Csorba (rechts) die beiden bewährten Kräfte auflaufen. Am Kreis sind Christian Häckner und Radovan Suchy, denen zudem eine Schlüsselrolle in der Abwehrmitte zukommen wird. Dahinter stehen Thomas Paul und Max Deußen, zwei Torhüter, die Suchy auf fast gleichem Niveau sieht. Weil sie ihr Torwartspiel verschieden auslegten, ergänzten sie sich gut. Dazu gehören in André Deis, Sebastian Vogt sowie den jungen Wilden Julius Weinhardt und Lukas Demel weitere Kräfte, die den Kader ergänzen. Gerade Weinhardt biete sich für mehrere Positionen an. Bonuspunkte in der Fremde Wo sich Rödelsee in der spielerisch stark eingeschätzten Klasse einreihen wird, auch darauf ist Suchy gespannt. Die Ausgangslage sei im Vergleich zur Bayernliga ganz anders. „Wir haben eine Saison, in der wir in die meisten Spiele nicht als Favoriten gehen werden.“ Gerade in eigener Halle müsse man Punkte holen. Dazu setzt er auf die Unterstützung der Fans im Sickergrund. „Sie sollen kommen, um uns zu sehen, nicht wegen der Gegner“, sagt er. Er misst dem Start große Bedeutung bei. Vielleicht könnten die Rödelseer ja anfangs bei Gastspielen in Hochdorf und Kornwestheim von ihrer Unbekanntheit zehren – sonst sei „in der Fremde nur schwer was zu holen, das sind Bonuspunkte“, sagt der Slowake. Dieser Bonus werde ausschließlich über „Disziplin und harte Arbeit“ vergeben. Allzu gerne würde Dusan Suchy die Aufstiegseuphorie möglichst weit in die neue Runde hinein tragen. Nicht immer werde Friede, Freude Eierkuchen sein in dieser Saison – es werde auch schwierige Momente geben, etwa Phasen mit weniger Erfolgen. Da werde das gesamte Kollektiv gefragt sein, auch die Spieler von der Bank, die ihre Leistung bringen müssen, wenn sie an der Reihe sind. Jeder Akteur müsse in jedem Spiel an seine Grenze gehen – das vermittelt Suchy seinen Mannen immer wieder. Pech mit Verletzungen darf der TSV nicht bekommen. Ob die Rödelseer im tiefen Drittliga-Wasser mitschwimmen können, das lasse sich „wohl erst nach sechs, sieben Spielen“ erkennen, sagt Suchy. „In die zweite Liga werden wir nicht aufsteigen“, meinte er ironisch. Mut, dass der Verbleib in den besten hundert des deutschen Handballs gelingen könnte, machen ihm Klubs wie der SV Auerbach, der zuletzt die Klasse hielt. Beginnen wird das neue Kapitel an diesem Samstag in der Pfalz bei Ludwigshafen: beim TV Hochdorf. „Wir wollen versuchen, dort zu gewinnen. In jedem Fall werden wir sehen, wie in dieser Klasse um Punkte gekämpft wird. Nicht nur dort wird vieles über den Kampfgeist gehen“, heißt Suchys Prognose. Die Spieltage Samstag, 31. August, 19 Uhr TV Hochdorf – TSV Rödelsee Samstag, 7. September, 20 Uhr SV Kornwestheim – TSV Rödelsee Sonntag, 15. September, 15 Uhr TSV Rödelsee – HBW Balingen/Weilstetten II Samstag, 21. September, 20 Uhr SG Köndringen/Teningen – TSV Rödelsee Samstag, 28. September, 19 Uhr TSV Rödelsee – TSV Friedberg Samstag, 5. Oktober, 19 Uhr TSV Rödelsee – HSC Bad Neustadt Samstag, 12. Oktober, 20 Uhr TV Germania Großsachsen – TSV Rödelsee Samstag, 19. Oktober, 19 Uhr TSV Rödelsee – SG Kronau/Östringen II Samstag, 26. Oktober, 20 Uhr HSG Konstanz – TSV Rödelsee Samstag, 9. November, 20 Uhr SG H2Ku Herrenberg – TSV Rödelsee Samstag, 16. November, 19 Uhr TSV Rödelsee – HSC 2000 Coburg Samstag, 23. November, 19 Uhr TGS Pforzheim – TSV Rödelsee Samstag, 30. November, 19 Uhr TSV Rödelsee – SV 08 Auerbach Samstag, 7. Dezember, 19 Uhr TSV Rödelsee – VT Zweibrücken-Saarpfalz Sonntag, 15. Dezember, 17 Uhr TSB Heilbronn/Horkheim – TSV Rödelsee Samstag, 11. Januar, 19 Uhr TSV Rödelsee – TV Hochdorf Sonntag, 19. Januar, 15 Uhr TSV Rödelsee – SV Kornwestheim Samstag, 25. Januar, 19.30 Uhr HBW Balingen/Weilstetten II – TSV Rödelsee Sonntag, 2. Februar, 15 Uhr TSV Rödelsee – SG Köndringen/Teningen Samstag, 8. Februar, 20 Uhr TSV Friedberg – TSV Rödelsee Samstag, 15. Februar, 19.30 Uhr HSC Bad Neustadt – TSV Rödelsee Samstag, 22. Februar, 19 Uhr TSV Rödelsee – TV Germania Großsachsen Samstag, 8. März, 20 Uhr SG Kronau/Östringen II – TSV Rödelsee Sonntag, 16. März, 15 Uhr TSV Rödelsee – HSG Konstanz Samstag, 22. März, 19 Uhr TSV Rödelsee – SG H2Ku Herrenberg Samstag, 5. April, 17.15 Uhr TSV Rödelsee – TGS Pforzheim Samstag, 12. April, 19.30 Uhr HSC 2000 Coburg – TSV Rödelsee Samstag, 26. April, 19 Uhr SV 08 Auerbach – TSV Rödelsee Sonntag, 4. Mai, 17 Uhr VT Zweibrücken-Saarpfalz – TSV Rödelsee Samstag, 10. Mai, 19.30 Uhr TSV Rödelsee – TSB Heilbronn/Horkheim