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Der Fußball ist mehr als Theater


Autor: Eike Lenz

Schwarzach am Main, Freitag, 20. Mai 2016

Auf den letzten Metern des Titelrennens fehlt den Schwarzacher Fußballern der Glaube. Da muss ihnen unser Reporter auf die Sprünge helfen.


Als „Theater des kleinen Mannes“ hat der Würzburger Oberbürgermeister erst dieser Tage den Fußball bezeichnet. Aber so ganz stimmt das nicht. Denn wer ins Theater geht, tut das im Wissen, dass Hamlet im letzten Akt sterben wird. Die Handlung also ist vorhersehbar und die Dramaturgie vorherbestimmt. Dagegen der Fußball: So unberechenbar und regellos, so unerwartet und zufällig, so anarchisch und spektakulär. Das Theater kann bei diesen verblüffenden Wendungen und Pointen in der Regel nicht mithalten.

Wer an Pfingsten das Kreisklasse-Spiel der Schwarzacher gegen Ippesheim besuchte, der durfte zwar angesichts der Tabellenkonstellation noch mit einem Sieg der Gastgeber rechnen. Doch was auf den Nebenschauplätzen geschah, stand so in keinem Drehbuch und keiner Regieanweisung. In Schwarzach sah man Männer herumtollen, die ihren Flaschen voll Bier Fontänen der Freude zu entlocken versuchten – weil Sekt weder kalt gestellt noch überhaupt irgendwie verfügbar war.

Keiner war ernsthaft darauf vorbereitet, dass es mit der Meisterschaft schon vor der Zeit klappen könnte, weil dafür sowohl Gülchsheim als auch Sonderhofen hätten verlieren müssen. Das schien so weit hergeholt, dass die Schwarzacher ihr Glück nicht fassen konnten.

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Anruf an Pfingstmontag im Vereinsheim Sonderhofen: 4:2 für Iphofen, heißt es dort. Das mag in Schwarzach keiner glauben. Allgemeiner Tenor: Da will uns jemand auf den Arm nehmen. Unser Mann vor Ort, Jürgen Sterzbach, muss den Siegern auf die Sprünge helfen. „Du hast doch Kontakte. Ruf du mal in Sonderhofen an.“ Als wir ihn zu der Partie delegierten, hatte auch er an einen geruhsamen Abend geglaubt und weniger daran, Glücksbote zu spielen.

Eine gute Viertelstunde ist in Schwarzenau schon abgepfiffen. Etwas abseits der Menge stehen Co-Trainer Jan Hinrichs, Klubvorsitzender Josef Hitzinger – und unser Mitarbeiter. Sterzbach hat inzwischen den Sonderhöfer Trainer Uwe Göb am Telefon. Der bestätigt das Ergebnis – und kommt gerade noch dazu, dem Rivalen zur Meisterschaft zu gratulieren, ehe der Jubel losbricht. Trainer Wolfgang Schneider erfährt die frohe Kunde im fernen Italien; er macht dort gerade Urlaub mit der Familie.
 

Der Spieltag an Pfingsten wirkt nach. Ein langjähriger Vereinsvorsitzender besucht die Redaktion. Er könne die Motive der Fußball-Bezirksfunktionäre, die Spiele erst um 18.30 Uhr beginnen zu lassen, nicht verstehen, sagt er. Viele müssten am nächsten Tag zur Arbeit, und dann gebe auch noch Studenten in Stuttgart, München oder Augsburg. „Die kriegen ihren Zug nicht mehr, oder wollen so spät nicht mehr mit dem Auto fahren.“ Der Spätspieltag war, das lässt sich aus vielen Reaktionen sagen, vor allem eines: ein Schuss in den Ofen.